Das Franken-Drama. Österreichische Ferienimmobilien in Not?

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Am 15.01.2015 war es soweit. Es kam zwar keine Eiszeit über die Eidgenossen, aber ein heftiger Wintersturm in Gestalt der Schweizer Nationalbank. Nachdem die SNB mehr als 2 Jahre den Kurs des heimischen Franken mit Milliardeninterventionen bei 1,20 Eur/CHF festzunageln versuchte, überließ sie an diesem Donnerstag den Frankenkurs überraschend den Marktkräften. In nur wenigen Minuten wertete die Schweizer Währung in der Spitze um mehr als 25% auf bis 0,85 EUR/CHF. Seitdem pendelt die Währung um die Parität zum Euro.

Dabei hatte die SNB alles versucht, ausländischen Anlegern die Lust auf die Fluchtwährung Schweizer Franken zu verderben. Anleger mussten sogar Strafzinsen auf ihre Anlagen hinnehmen. Was hat das nun für Folgen bei den Eigentümern einer Ferienimmobilie?

Quelle: godmode-trader.de

Schweizer Immobilien und Mietpreise nun erheblich teurer

Da sind zum einen die Deutschen, Österreicher und andere Europäer, welche eine Ferienimmobilie in der Schweiz besitzen. Mieterträge und Immobilienwerte sind in Euro gerechnet nun erheblich mehr wert, je nach Kaufzeitpunkt in den letzten Jahren bis zu 50%. Das klingt zunächst erst einmal fantastisch für die Betroffenen Es ist, was den Immobilienwert betrifft, aber durchaus mit einem Haken versehen. Sollte sich ein Eigentümer wegen des erfreulichen Wertzuwachses zu einem Verkauf der Ferienimmobilie entschließen, muss ja auch irgendwo ein Käufer her. Die Ausländer dürften wohl erst einmal als Käufergruppe ausfallen, da aus deren Sicht die Ferienwohnung oder das Ferienhaus nun erheblich teurer sind.

Den Schweizern selbst kann man zutrauen, die Stärke des Franken eher zu einem Immobilienerwerb im nun billigeren Ausland zu nutzen und eher nicht in der Heimat. Laut Aussage von Thomas Frigo, Geschäftsführer von Engel & Völkers Schweiz, in einem „Die Welt“-Artikel vom 07.02.2015 bieten Besitzer von Ferienimmobilien in Italien und Spanien diese bereits gezielt Schweizer Interessenten an. Ich könnte mir vorstellen, dass die Immobilienportale aus genannten Gründen nun einiges mehr zu tun bekommen. Das betrifft wohl vor allem die Spezialportale mit reichlich Alpenimmobilien im Portfolio wie z.B. Immoversum.

Die Crux mit den Immobiliendarlehen in Schweizer Franken

Immoportale mit österreichischen Wurzeln dürften noch aus einem ganz anderen Grund im Fokus stehen. Im Gegensatz zu Deutschland war es in unserem Nachbarland Österreich wie auch in Ungarn oder Polen gang und gäbe, (Ferien)Immobiliendarlehen in Schweizer Franken für die Finanzierung aufzunehmen. Begründung war, dass die Schweizer Zinsen zumeist deutlich niedriger lagen als z.B. in Österreich.

Was sich zunächst lukrativ anhört, kann auch schnell zum Bummerang in Form eines Wechselkursrisikos werden. Wenn sich der Schweizer Franken auch nur um wenige Cents gegenüber dem Euro verteuert, schmilzt der vermeintliche Zinsvorteil schneller dahin als das Sahneeis in der Sonne. Da die Tilgung in Schweizer Franken zu leisten ist, erhöht sich nun ärgerlicherweise der effektiv zu tilgende Kreditbetrag. Am besagten 15.01. an einem einzigen Tag um sage und schreibe rund 20%.

Wer sein Frankendarlehen schon vor längerer Zeit aufnahm, als der EUR/CHF-Kurs noch zwischen 1,50 und 1,60 lag, dürfte spätestens jetzt heftige Bauchschmerzen haben. Möglicherweise entscheiden sich etliche Österreicher, lieber die Reißleine zu ziehen und ihre Ferienimmobilien bei Immoversum & Co. feilzubieten.

Summa summarum eignet sich die Thematik bestens, um auf unvermutete Risiken bei der Finanzierung einer Ferienimmobilie hinzuweisen. Lassen Sie das Wechselkursrisiko in einem Darlehensvertrag lieber außen vor, insbesondere bei Frankendarlehen. Es sei denn, Sie arbeiten als deutscher oder österreichischer Grenzgänger in der Schweiz und erhalten Ihren Lohn in Schweizer Franken. Dann haben Sie auch kein Währungsrisiko …

 

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