Im Interview: Christopher Bauer, monteurzimmer.de

Geschrieben von:

Für den Großteil der Vermieter einer Ferienimmobilie ist es eine Herausforderung, im Feriendomizil auch in der Nebensaison eine akzeptable Belegungsquote zu erzielen. Vor allem an Standorten, in denen sich lediglich die Hauptsaison als touristisch attraktiv erweist, können clevere Lösungsansätze hilfreich sein. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, das Ferienobjekt zeitlich begrenzt an Monteure, Zeitarbeiter oder Berufsreisende zu vermieten. Das Portal monteurzimmer.de hat sich dieser Aufgabe gewidmet. Mit dem Gründer und Geschäftsführer Christopher Bauer habe ich folgendes Interview geführt:

1. Herr Bauer, wozu braucht ein Vermieter von Ferienimmobilien Ihr Portal monteurzimmer.de?

Um attraktive Buchungsanfragen für Zeiten zu erhalten, wo die Ferienimmobilie sonst oftmals leer steht. Für Vermieter, die sich verstärkt auf unsere Gäste-Zielgruppen ausrichten, ist es ohnehin unumgänglich.

2. Erzählen Sie, wie es zur Entstehung des Portals kam.

 Noch während meines BWL-Studiums übernahm ich einen Ferienhof und war stark motiviert, die meist nüchterne Theorie in der Praxis anzuwenden. Ich analysierte die Umsätze, indem ich Zielgruppen-Cluster bildete und diese dem jeweiligen Werbebudget gegenüberstellte. Oder so: „Welche Gäste machen wie viel vom Umsatz aus und wie viel von der Werbung wird für diejenigen ausgegeben.“ Das Ergebnis war, dass etwa 60% des Umsatzes von Monteuren und Berufsreisenden erzielt wurde, während 0 € für direkte Werbung für diese Gästegruppe ausgegeben wurde. Gleichzeitig war dies die Zielgruppe, die für freie Zeiten am besten in Frage kam. Als ich schaute, wie man diese Gästegruppe bewerben könnte, war das Ergebnis alles andere als zufriedenstellend. Die Entscheidung zur Gründung war gefällt.

Nach Abschluss des Studiums ging ich in die Startup-Hauptstadt Berlin, um mir bei Praktika Fähigkeiten anzueignen. Schließlich fanden meine damaligen Chefs, Tim Keding und Pascal Tilgner, die Idee gut und wir gründeten kurzerhand gemeinsam Monteurzimmer.de.

3. Wie viele Objekte werden auf Ihrer Webpräsenz angeboten und wie viele davon sind Ferienimmobilien?

Von den rund 8.000 Objekten (Stand Juni 2014) sind schätzungsweise 50-60% ursprünglich als Ferienimmobilie ausgerichtet. Von den anderen Angeboten ist ein Teil rein auf die Nutzung als Monteurwohnung, Arbeiterwohnheim oder Wohnen auf Zeit eingerichtet. Andere Unterkünfte, wie Hotels und Gasthäuser, sind sowohl für Urlauber als auch für beruflich Reisende interessant. Daher würde ich den Begriff „Ferienimmobilie“ nicht zu sehr abgrenzen.

4. Was berichten Fewo-Vermieter vom Nutzen eines Eintrags bei Ihnen? Kann man damit tatsächlich die Nebensaison besser auslasten?

Das ist unser Feedback und das wachsende Interesse der Vermieter bestätigt das. Für die Anbieter von „reinen Ferienimmobilien“ ist es die Nebensaison, die besser ausgelastet wird. Für andere das ganze Jahr. Dabei sollte man die Besonderheiten der Gästegruppe berücksichtigen. Die Organisation rund um die Vermietung an Monteure und Berufsreisende unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Ferienvermietung.

Ein Beispiel:
Wenn ein Interessent für Ihre Ferienwohnung Sie telefonisch nicht erreicht, so ruft er bestimmt ein zweites oder drittes Mal an. Schließlich plant er ja seinen Urlaub idealerweise weit im Voraus. Ein Monteur, der beispielsweise ab dem nächsten Tag eine Unterkunft sucht, der landet bei Nichterreichen schnell beim nächsten Anbieter.

Wer sich anstatt für eine Festvermietung für die Unterbringung von Monteuren und Berufsreisenden entscheidet, der erwartet auch eine gewisse Mindestauslastung. Da kommt man um Werbekanäle wie Monteurzimmer.de nur schwer herum.

5. Der Preisunterschied zwischen einer Vermietung an Urlaubsgäste und einer Vermietung an Monteure, Berufspendler und Zeitarbeiter ist im Regelfall nicht unerheblich. Rechnet sich das für den Vermieter einer Ferienimmobilie?

Ja! Wenn man davon ausgeht, dass der Preis bei der Vermietung an Monteure & Co. erheblich niedriger ist, so lohnt es sich in Zeiten, in denen die Ferienimmobilie sonst leer stehen würde. Zwar mag der Preis pro Tag niedriger sein, aber die höhere Auslastung führt zu einem höheren Jahresumsatz.

„Lieber ein niedrigerer Preis als leere Betten und trotzdem heizen.“

Für mich persönlich rechnet es sich nicht, meine Ferienimmobilie auch tatsächlich an Feriengäste zu vermieten! Meistens nicht einmal in der Sommer-Hochsaison. Würde ich eine Ferienwohnung z.B. an ein Urlauberpaar vermieten, so wäre der Preis pro Tag niedriger als bei einem Monteurtrupp. Also wurden die Unterkünfte dahingehend eingerichtet, dass kleine/mittlere Monteurtrupps dort wohnen können. Die Nebenkosten sind dann höher, aber es rechnet sich trotzdem. Bleiben die Gäste über einen längeren Zeitraum, so kann der zeitliche Aufwand auch erheblich sinken. Sind die Monteure am Wochenende nicht da, dann kann ich immer noch zusätzlich Wochenendurlauber oder Gruppen willkommen heißen.

6. Für wen eignet sich ein Eintrag auf monteurzimmer.de weniger?

Für Vermieter, denen die Einnahmen durch die Vermietung nicht so wichtig sind und diejenigen, die Mühe scheuen. Auch für Personen, die eine schlechte telefonische und e-postalische Erreichbarkeit haben und Gäste nur an festen Tagen und zu bestimmten Zeiten begrüßen möchten/können. Bei Gästen, die über einen langen Zeitraum bleiben, relativiert sich das natürlich etwas. Dann kann der Vermieter den Schlüssel z.B. auch beim Nachbarn hinterlegen, die Bezahlung aus der Ferne regeln und die Reinigung flexibler durchführen. Die Gäste, die über Monteurzimmer.de anfragen, haben oft nicht so eine gute Planungssicherheit. Sie sind abhängig von anderen Firmen, Kollegen, Folgeaufträgen, Wetter und sonstigen Faktoren. Da muss man auch mal flexibel reagieren und können.

7. Der Markt in der Nische „Monteurzimmer“ ist hart umkämpft. Wie heben Sie sich vom Wettbewerb ab?

Seit ich Ihre Interview-Fragen das erste Mal gelesen habe, bin ich auf gleich zwei neue Wettbewerber aufmerksam geworden. Sorge bereitet mir das jedoch keine. Monteurzimmer.de hebt sich durch Innovationen, Benutzerfreundlichkeit und gutes Marketing ab. Allein ein guter Service und fleißiger Vertrieb reicht nicht, wenn das Produkt nichts taugt oder niemand die Website findet. Wir machen es uns selbst zur Aufgabe, das beste Portal für diese Nische zu sein. Das umfasst so ziemlich alle Teilbereiche. Ein wichtiger Punkt ist, dass ich selbst Betreiber eines Beherbergungsbetriebes bin und immer wieder Einblick in die Vermietung an Monteure, Gruppen und Urlauber erlange. So sorgt man dafür, dass ein Portal nicht an den Bedürfnissen der Zielgruppe vorbei entwickelt wird. Ein letzter Punkt, wie wir uns abheben: Der Name Monteurzimmer.de. Im Wettbewerb gibt es diverse Internetadressen, bei denen weder die Vermieter noch die Suchenden durchblicken.

8. Was dürfen wir in Zukunft an interessanten Neuigkeiten von Ihrem Portal erwarten?

Wir überlegen, ob wir Trikot-Sponsor der deutschen Fußball Nationalmannschaft werden sollen. Aber zuvor kaufen wir noch 1-2 Hotel-Portale auf.

… jetzt mal im Ernst 😉

Wir halten den Ball flach und entwickeln das Portal engagiert und stetig weiter. Zukünftige Neuigkeiten fallen mir auf Anhieb viele ein. Aber da müssen Sie sich überraschen lassen. Viele Kleinigkeiten gehen nach und nach online, ohne dass der Nutzer eine einschneidende Veränderung wahrnimmt. Größere Anpassungen, teilweise schöne Innovationen, folgen im Laufe des Jahres.

Herr Bauer, vielen Dank für das Interview.

 

Weitere Artikel zum Thema:

0
  Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar