Frischer Wind aus Dänemark? Novasol übernimmt das Zimmerportal Wimdu

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Die Tinte auf dem Fusionspapier der Zimmervermittler Wimdu und 9flats ist noch gar nicht getrocknet, da gibt’s den nächsten Paukenschlag. Mit dem Urgestein Novasol, immerhin seit 1968 auf dem Ferienhausmarkt, bekommt Wimdu wiederum einen neuen Eigentümer. Vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden. Was treibt eine gestandene Branchengröße wie Novasol dazu, auf dem Airbnb-dominierten Vermittlungsmarkt für Zimmer und Wohnungen in Metropolen aktiv zu werden? Passt das überhaupt zusammen?

Rocket Internet macht kurzen Prozess

Erst Ende Oktober hatten die beiden deutschen Unterkunftsportale Wimdu und 9flats eine Fusion angekündigt. Damit wollte man einerseits ein größeres Gegengewicht zum Branchenführer Airbnb schaffen und andererseits den eigenen wirtschaftlich bedenklichen Entwicklungen entgegentreten. Und schließlich war da noch die Geschichte mit dem Zweckentfremdungsverbot und den drohenden Bußgeldern, welchen man durch die Verlegung des Unternehmenssitzes nach Singapur entgehen wollte.

Nun ist alles Schnee von gestern. Und das eigentlich wenig überraschend. Wer die Historie der Internet-Unternehmerbrüder Samwer und ihres Inkubators Rocket Internet (Wimdu-Alteigentümer) verfolgt, kann diesen Schritt sicher nachvollziehen. Immerhin hat Wimdu bis heute laut einem Artikel im Manager Magazin rund 60 Millionen Euro Verlust angehäuft. Was nicht so läuft, wie es soll, wird vertickert. Damit nicht noch größere Löcher entstehen.

Da fusionsbedingt alle aktuellen Wimdu-Anteile der 9flats Singapur und deren Gesellschaftern Stephan Uhrenbacher und Roman Bach gehören, ist der Verkauf von Wimdu an Novasol wohl zügig darstellbar. Und es liegt eigentlich auf der Hand, dass 9flats ebenfalls verkauft wird. Allerdings ist hier die Eigentümerstruktur komplizierter, da Venture Capital Gesellschaften wie Redpoint Ventures und eVentures beteiligt sind. Sowohl 9flats als auch Novasol halten sich dazu noch bedeckt.

Was in aller Welt jedoch will Novasol mit diesen Privatzimmervermittlern anfangen? Schauen wir uns dazu Novasol einmal genauer an.

Novasol – Ferienhaus-Oldie aus Dänemark

Kurz vor Silvester im Jahr 1968 war’s, als ein kleines Unternehmen namens Nordisk Ferie in einem Kellerbüro in Kopenhagen begann, Ferienhütten in Norwegen zu vermieten. Daraus entwickelte sich ein großer Ferienhausanbieter mit mittlerweile über 40.000 Ferienobjekten in ganz Europa – Novasol. Der Schwerpunkt ist aber nach wie vor der skandinavische Raum.
Wie soviele „ältere“ Fewo- und Feha-Vermittler wie z.B. TUI, ist Novasol dem Publikum als Anbieter im Gedächtnis, dessen Urlaubskataloge Bestandteil vieler Reisebüros waren und auch heute noch sind. Der Schritt ins Internet-Zeitalter bedeutete eine große Umwälzung, gelang aber recht passabel für ein Unternehmen, das bislang Offline-Marketingkanäle gewöhnt war.

Heute gehört Novasol zur börsennotierten Wyndham Worldwide Corporation in den USA, die als Dachgesellschaft für drei wesentliche operative Bereiche fungiert.

Novasol ist Tochter des US-amerikanischen Wyndham Konzerns

Die Wyndham Hotel Group umfasst die Hotelsparte des Konzerns mit derzeit rund 8.000 Hotels in 73 Ländern, wozu beispielsweise die Ramada Hotels gehören. Im Bereich Wyndham Vacation Ownership sind akquirierte und entwickelte Clubs & Resorts in Amerika und Asien gebündelt. Im Wyndham Destination Network versammeln sich neben Novasol zahlreiche Anbieter für Ferienhäuser, Cottages, Hausboote und Ferienparks. Ebenso gehören der weltgrößte Timesharing-Club RCI und mit The Registry Collection eine Tauschsparte für Premiumobjekte dazu. Letztere entspricht in etwa dem deutschen Anbieter Global Homing, über den wir vor längerer Zeit berichteten.

Übrigens, das deutsche Unwohlsein beim Thema Timesharing teilen die Amerikaner ganz und gar nicht. Neben Wyndham tummeln sich auch so bekannte Namen wie Mariott, Hilton, Four Seasons, Disney oder Hyatt auf diesem Markt. Und das sehr profitabel.

Wie passt Wimdu in diese kunterbunte Anbieterkiste?

Auf den ersten Blick erschließen sich nicht wirklich Synergien zum bisherigen Wyndham-Portfolio. Viele der Marken sind höherpreisig, was nicht unbedingt die Spielwiese eines Vermittlers von Privatzimmern wie Wimdu ist. Novasol-Chef Bernd Muckenschnabel begründet das Interesse im o.g. Artikel des Manager Magazins so (Zitat): “ … Novasol ist bisher vor allem auf Ferienwohnungen im ländlichen Bereich spezialisiert. Bei Städten waren wir bislang nicht gut positioniert. Daher ist Wimdu für uns eine gute Ergänzung. …“

Das ist zwar prinzipiell richtig, aber die Vermieteruhren in Städten ticken schon ein wenig anders. Da wären beispielsweise völlig unterschiedliche Zielgruppen, die es anzusprechen gilt. Der typische Gast in Metropolen ist in der Regel kein Erholungsurlauber, sondern oft an Sightseeing, Messen, Museen, Shopping & Co. interessiert. Auch die Verweildauer der Gäste in Städten ist deutlich geringer als z.B. in einem dänischen Ferienhaus am Wasser. Wir sind gespannt, wie man sich bei Novasol eine erfolgreiche Integration vorstellt.

Dazu kommt noch, dass eines der großen Probleme von Wimdu und 9flats durch die Übernahme nicht gelöst ist. Nämlich die rechtlich korrekte Handhabung von inserierenden Eigentümern, deren Ferienobjekte nicht als solche amtlich zugelassen sind. Und das betrifft ja nicht nur Berlin. Auch in Hamburg existieren Gesetzgebungen hinsichtlich einer Zweckentfremdung. Oder fragen Sie doch mal unsere Nachbarn in den Niederlanden.

Mit Blick auf typisch amerikanische Vorgehensweisen im Business-Universum sei auch diese Spekulation einmal in den Raum gestellt: Wir alle kennen die Geschichten von Microsoft, Google, Ebay oder Amazon, die allesamt weltweit marktdominant sind. Warum soll im Laufe der Zeit nicht auch ein Platzhirsch für die weltweite Privatzimmervermittlung zusammengenagelt werden, an dem niemand vorbeikommt? So gesehen könnte die Novasol-Mutter Wyndham irgendwann Airbnb unbequeme Mitbewerber für gutes Geld auf dem Silbertablett servieren. Was wiederum zu der Frage führt, ob Novasol nach Wimdu zukünftig auch noch 9flats „verspeisen“ wird.

Rechtliches für Ferienvermieter

Literatur rund um die Ferienimmobilie

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