Marketing: Gästebewertungen für Ferienhaus und Ferienwohnung

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Eine zunehmende Bedeutung sollte ein Vermieter der Thematik der Gästebewertungen für Ferienobjekte zubilligen. Wo früher noch Gästebuch und Forum die Mittel der Meinungsäußerung waren, sind heute Testimonials und öffentliche Bewertungen hinzugekommen. Mittlerweile operieren fast alle Unterkunftsportale mit ausführlichen Bewertungsrubriken für Gäste und zeigen die Ergebnisse oft bereits in den Objekt-Übersichtslisten an.

Meist in Form von vergebenen Sternen. Das bringt natürlich eine gewisse Steuerung der Leserklicks mit sich. Wer klickt nicht gern Kurzporträts für Detailinformationen an, wenn in der Objektliste Höchstpunktzahlen für Kundenzufriedenheit angegeben werden? Manchmal werden auf den Fewo-Portalen die Listungen sogar von vornherein nach Kundenbewertung sortiert.
Um hier nicht bereits im Auswahlprozess als unattraktiv von den Portalbesuchern aussortiert zu werden, sollte sich ein Vermieter eine passende Strategie für das Bewertungsmarketing zurechtlegen. Wir werden in einer kleinen Artikelserie den beachtenswerten Aspekten auf den Grund gehen und werfen zunächst einen Blick in die Vergangenheit.

Bewertungen – ein Blick zurück

Uns ist noch ein Fewo-Portal im Gedächtnis, welches vor Jahren zu jedem Inserat bzw. Kurzporträt in der Objektliste die Möglichkeit für eine Sternevergabe anbot. Dazu genügte ganz einfach ein Klick auf den jeweiligen Stern, eins bis fünf waren möglich, und schon wurde diese abgegebene Bewertung zu den bisherigen Bewertungen hinzugefügt und eine durchschnittliche Bewertungszahl ermittelt. Anmeldungen oder gar Verifizierungen des Bewertenden waren nicht erforderlich. Jeder konnte klicken, auch der Objekteigentümer selbst. Die Objektlisten waren gemäß den Bewertungen absteigend sortiert, das Objekt mit dem besten Bewertungsdurchschnitt stand also stets oben. Ein Test unsererseits bestätigte diesen Verdacht und schwupps! rutschte unsere eingetragene Ferienwohnung in der Liste weit nach oben. Selbstverständlich hatten wir die 5 Sterne angeklickt …

Eine derartige Bewertungssystematik ist natürlich haarsträubend und öffnet der Manipulation Tür und Tor. Und zwar nicht nur im Sinne des Eigentümers. Wer wollte, konnte seinem Mitbewerber in der Ferienvermietung einen Knüppel zwischen die Beine werfen und dessen Objekt mit nur einem Stern bewerten.
Zum Glück hat sich seitdem viel getan in der Branche. Oft wird auf den Unterkunftsplattformen vom Bewertenden eine Verifizierung verlangt, damit eine Bewertung überhaupt möglich ist. Zudem muss der Bewertende nachweisen, dass er tatsächlich Gast in diesem Objekt war und den entsprechenden Urlaubszeitraum zwecks Prüfung angeben. Mehrheitlich können sich Vermieter heutzutage darauf verlassen, dass auch nur ihre Gäste Bewertungen abgeben dürfen. Das hat natürlich den Vorteil, auf die Meinungsbildung der Feriengäste jederzeit während des Aufenthaltes durch seine Gastgebertaten einwirken zu können. Hier liegt der alleinige Schlüssel für das, was später über den Urlaub in der Bewertungsrubrik für alle sichtbar zu lesen sein könnte.

Strategie beim Bewertungsmarketing

Für eine richtige Strategie beim Bewertungsmarketing halten wir folgendes in dieser Reihenfolge für angezeigt:

  1. Machen Sie sich bereits bei der Auswahl Ihrer Vermietungspartner mit deren Bewertungsrichtlinien vertraut
  2. Finden Sie heraus, welche Kriterien vom Fewo-Portal oder der Vermietungsagentur beim Bewertenden abgefragt werden
  3. Bewerten Sie gemäß diesen Kriterien Ihr eigenes Objekt (nicht öffentlich) selbst und spüren Sie Schwachstellen auf
  4. Knöpfen Sie sich die erkannten Schwachstellen vor und verbessern Sie diese
  5. Entwickeln Sie eine Strategie zur aktiven Ermunterung Ihrer Gäste zu einer Bewertungsabgabe
  6. Erarbeiten Sie ein sinnvolles Verhalten im Umgang mit negativen Meinungsäußerungen
  7. Knüpfen Sie ein Netzwerk von Fundstellen im Internet, an denen Ihre Gästebewertungen publiziert werden
  8. Integrieren Sie die Gästebewertungen in Ihre gesamte Marketingstrategie

Frühzeitig die Bewertungsrichtlinien prüfen

Bewertungsoptionen auf ferienwohnungen.de

Eine kluge Vorgehensweise ist es, bereits während des Prozesses rund um die Auswahl der geeigneten Vermietungspartner auch einen Blick auf die zur Verfügung gestellten Bewertungsmöglichkeiten für Gäste zu werfen. Die meisten Fewo-Portale und auch viele Vermietungsagenturen bieten dies an.

Lesen Sie sich die Richtlinien hierfür genau durch und stellen Sie fest:

  • Wer darf bewerten?
  • Muss sich der Bewertende verifizieren und als tatsächlicher Gast zu erkennen geben?
  • Was wird bewertet?
  • Wo erscheint diese Bewertung?
  • Welchen Einfluss hat die Bewertung auf die Platzierung meines Inserates?

Sagen Ihnen die Konditionen nicht wirklich zu, dann sollten Sie tief in sich gehen, ob das betreffende Portal bzw. die Agentur die richtigen Partner sind. Wenn die Verifizierung als Gast in Ihrem Domizil nicht zwingend für die Abgabe einer Bewertung erforderlich ist, dann steigt natürlich das Manipulationsrisiko, was letztlich ja nicht Sinn der Sache ist. Falls Sie die o.g. Fragen nicht vollständig beantwortet finden, dann scheuen Sie sich nicht, beim Anbieter nachzuhaken. Schließlich bezahlen Sie Inseratskosten bzw. Provisionen, da sollte man schon über die Gepflogenheiten bestens im Bilde sein.

Der Einfluss von Gästebewertungen auf eine Inseratsplatzierung

Das gilt auch für den Einfluss einer Bewertung auf die Platzierung des Inserates. Wenn Portalbesucher sich die angezeigten Objektlisten nach verschiedenen Auswahlkriterien (Personen, Zimmerzahl, Internetzugang, Pool, Bewertungen etc.) selbst zusammenstellen können, dann ist das fair und in Ordnung. Wenn allerdings diese Objektlisten bereits in der Grundeinstellung oder auch alle einzelnen Auswahlkriterienlisten nach den Ergebnissen der Gästebewertungen sortiert sind, wird es womöglich für einige Vermieter unfair. Warum?

Es gibt jede Menge Ferienobjekte, die keine 1A-Lage mit Blick auf Meer, Gipfel oder See haben oder um sich herum eine eingeschränkte Infrastruktur aufweisen. Wenn diese Kriterien bei der Bewertungsprozedur vom Gast abgefragt werden, dann können dafür auf ehrliche Weise einfach keine 5 oder 4 Sterne vergeben werden. Das führt automatisch zu einer niedrigeren Gesamtbewertung, da der Eigentümer diese Gegebenheiten nicht selbst verändern kann. In der Folge stünde sein Feriendomizil in der Objektliste zwangsläufig hinter anderen, die diese Makel nicht haben.

Das ist nicht als Kritik unsererseits an der Bewertungsmethodik der Portale zu verstehen, nach irgendeiner Systematik müssen die Objektlisten ja erstellt werden. Als Vermieter sollte man sich der jeweiligen Verfahren jedoch bewusst sein, um hinterher nicht aus allen Wolken zu fallen ob der Folgeerscheinungen für eigene Objektbewertungen. Unseres Wissens spielen aber auf keinem Unterkunftsportal Gästebewertungen eine „alleinige“ Rolle bei der Objektsortierung, sondern sind lediglich ein Puzzleteil der Sortierungsalgorithmik. Werfen wir im nächsten Teil einen Blick auf die Nützlichkeit der Bewertungskriterien und auf das Bewertungsverhalten der Gäste …

Titelfoto: atraveo; Beitragsbild: ferienwohnungen.de

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