Schnitzeljagd im Urlaub – Sind Ihre Feriengäste im Pokémon GO Fieber?

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Wer kennt es nicht aus Kindertagen – die Schnitzeljagd per Karte und geheimnisvollen Hinweisen, die zu einem versteckten Schatz führt? Heutzutage nennt sich das Geocaching und wird unter Zuhilfenahme von GPS-Signalen und technischer Unterstützung von einer treuen Gemeinde von Hobbyenthusiasten betrieben. Manchmal sogar im sportlichen Wettkampf. Die nächste Stufe ist nun als Pokémon GO über uns hergefallen und hat seit dem Release im Juli 2016 wahre Massenwanderungen ausgelöst.

Pokémon GO – Worum geht es?

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass seitdem auch unter Ihren Feriengästen Pokémonjäger auftauchen. Das Spiel hat bereits kurz nach Veröffentlichung sämtliche Rekorde bei Downloads, Nutzerzahlen und Einnahmen gebrochen. Bahnen sich hier etwa interessante Marketingüberlegungen für Vermieter von Ferienwohnungen und Ferienhäusern an? Schauen wir uns das Ganze einmal genauer an.

Pokémon GO ist ein sogenanntes augmented reality-Spiel, was so viel wie computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung bedeutet. Dabei werden virtuelle Dinge in die Wirklichkeit hineinprojiziert. Sie kennen das vielleicht von TV-Übertragungen, wenn beim Fussball die Werbebanden künstlich in das Fernsehbild integriert oder beim Skispringen virtuelle Marken auf den Sprunghang gezaubert werden. Bei Pokémon GO haben die Entwickler der US-Firma Niantic und der japanische Softwareriese Nintendo ihr Potential verschmolzen. John Hanke, Kopf von Niantic, brachte sein Know how aus früherer Tätigkeit bei Google Earth und Maps ein und Nintendo steuerte die Inhalte seines 1996 erstmals erschienenen Spieleklassikers Pokémon (= Abkürzung für Taschenmonster) bei. Herausgekommen ist dabei ein Spiel für Android und iOS, welches neue Maßstäbe setzt. Millionen von Nutzern haben sich die kostenlose App auf ihr Smartphone heruntergeladen und begeben sich auf die Jagd nach den Pokémon. Wem das Spielprinzip nicht vertraut ist, findet hier alles Wissenswerte.

Was genau tun Pokémon-Fans?

Die Spielaufgabe besteht darin, draußen mit dem Smartphone die verschiedenen Pokémon aufzuspüren, einzufangen, zu stärken, zu entwickeln oder auch aus Eiern auszubrüten. Dafür benötigte Utensilien erhält man an sogenannten Pokéstops. Zudem entscheidet man ab Level 5 über die Zugehörigkeit zu einem Team (rot, gelb oder blau) und kann fortan in Arenen Kämpfe und Trainingseinheiten durchführen. Genau wie bei einer Schnitzeljagd oder dem herkömmlichen Geocaching wird der Spieler zu zwei Dingen genötigt: frischer Luft und Bewegung.

Pokémon GO im Test

Unser kürzliche Familienurlaub in Mecklenburg-Vorpommern bot die Gelegenheit, das Spiel einmal unter die Lupe zu nehmen. Schließlich muss ja irgendwer die Frühstücksbrötchen holen. Wenn man sich also sowieso auf die Socken macht, dann kann man ja das Handy nebst Pokémon-App mitnehmen. Allerdings mussten mein Sohn und ich bald feststellen, dass aus einem Brötchenkauf schnell ausgedehnte Spaziergänge werden können … 😉  Satte 120 km Fussweg kamen so in wenigen Tagen zusammen. Für mich eine hervorragende Möglichkeit, endlich der Bequemlichkeit am Computerarbeitsplatz zu entrinnen.

Kehrseite der Medaille ist, nicht nur auf das Handy zu starren und die Umgebung nicht aus den Augen zu verlieren. Gewöhnungsbedürftig ist es auch, wenn einem aus dem Supermarktregal ein wildes Taubsi angrinst oder ein Rattfratz einem die Parklücke streitig machen will. Was aber definitiv auffällt, ist die Alterszusammensetzung der Pokémonspieler. Klar, es spielen auch Schulkinder der unteren Klassen. Aber mehrheitlich sind es Erwachsene, so ab oberen Klassenstufen, Lehrlinge und Studenten aufwärts. Das dürfte zum einen daran liegen, dass mit fortschreitender Spielstufe das Spiel strategisch anspruchsvoller wird und die Jüngeren schnell die Lust verlieren, immer wieder die gleichen Pokémon zu entwickeln, um ins nächste Level aufzusteigen. Zum anderen fühlen sich wohl zahlreiche Erwachsene in die eigene Kinderzeit der 90er Jahre zurückversetzt, als die Pokémonfiguren erstmals auftauchten. Schließlich soll auch nicht verheimlicht werden, dass mit den immer schwieriger werdenden Levelaufstiegen die Versuchung steigt, kostenpflichtige In-App-Käufe zu tätigen. Rund 200 Millionen Dollar hat das Spiel seinen Entwicklern bereits im ersten Monat in die Kassen gespült.

Pokémon GO in das Vermietungsmarketing einbinden?

Da das Spiel aus dem Stand Millionen Anhänger gefunden hat, stellt sich natürlich auch die Frage, ob man es irgendwie clever in die Vermarktungsstrategie eines Feriendomizils einbinden könnte. Prinzipiell ist Pokémon GO so konstruiert, dass gewerbliche Anbieter möglicherweise Nutzen daraus ziehen können. So z.B. das Gastronomiegewerbe, welches bei Niantic die Einrichtung eines eigenen Pokéstops im Geschäft gegen Entgelt beantragen kann. Über die damit schaltbaren „Lockmodule“ sollen nicht nur Pokémon, sondern auch Kundschaft angelockt werden. Ähnliches gilt für die Kampfarenen. Speisen und nebenbei Pokémon fangen … das findet auch McDonalds gut und hat eine exklusive Partnerschaft arrangiert. Auch Telekom, Vodafone & Co. sind mit von der Partie und treten als Sponsoren von Pokémon-Parties auf. So strömten kürzlich mehrere Tausend Pokémon-Begeisterte zum Happening im Wiener Stadtpark.

Es fällt allerdings schwer, aus diesen Optionen etwas Verwertbares für die Ferienvermietung herauszufiltern. Ein Möglichkeit besteht darin, den Informationsservice für Urlaubsgäste im Objekt mit Wissenswertem rund um die Pokémonjagd vor Ort zu ergänzen. Wo sind z.B. Pokèstops und Arenen im Ferienort? Vielleicht als Umgebungskarte mit entsprechenden Markierungen. Das erleichtert spielfreudigen Gästen die Orientierung. Während es in mittleren und großen Städten eine Fülle von Stops, Pokémonnestern und Arenen gibt, schauen kleinere Orte und ländliche Regionen bei diesem Spiel bislang oft in die Röhre und die Spielmotivation erlahmt schnell.

Pokémon-Figur Relaxo – Schirmherr für Urlaubsentspannung?

Insgesamt läßt sich aber noch gar nicht absehen, welche Möglichkeiten interessant sein könnten. Laut Aussagen von Niantic stehen erst rund 10% der angepeilten Spieloptionen zur Verfügung. So soll zukünftig beispielsweise eine Tauschfunktion für Pokémon in das Spiel integriert werden. Es liegt auch der Gedanke nahe, eher seltene Pokémon vielleicht einkaufen zu können. Pokémonaffine Stammgäste würden sich über eine derartige kleine Aufmerksamkeit seitens eines Gastgebers bestimmt freuen. Aber das ist derzeit noch Zukunftsmusik und man darf auf den Fortgang der Geschichte gespannt sein.

Wer als Eigentümer einer Ferienimmobilie „zufällig“ in der Nähe eines bestehenden Pokéstops oder einer Arena vermietet, sollte sich durchaus einmal mit seiner Aussenwerbung beschäftigen. Schließlich locken Stops und Arenen zahlreiche Pokèmonjäger unter den Gästen an, die in der kommenden Saison vielleicht in Ihrem Feriendomizil den Urlaub verbringen könnten. Ist Ihr mietbares Ferienobjekt gut sichtbar für Passanten? Machen Sie mit ins Auge fallenden, wetterfesten Leuchtschildern oder Leuchtsäulen auf sich aufmerksam? Können Vorbeigehende problemlos auf Objekt-Flyer zugreifen? usw. … Einige Anregungen dazu finden sich z.B. auf http://www.alu-werbetraeger.de/

Gleichgültig, ob man Pokémon GO positiv gegenübersteht oder es eher als Volksseuche betrachtet. Sich darüber zu informieren und vielleicht sogar die eine oder andere Vermarktungsidee zu durchdenken, schadet sicher nicht. Alternativ kann man auch überlegen, ob die ursprüngliche Nische Geocaching als spezielle Gästezielgruppe angesprochen werden kann. Immerhin ist Deutschland nach den USA das Land mit der weltweit höchsten Geocacheanzahl und es gibt eine erkleckliche Zahl von Geocaching-Vereinen.

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