Unterkunftsportale in Not? Fusion Wimdu + 9flats, Gloveler insolvent

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Hoch her geht es derzeit in der Portalbranche. Ende September vermeldete das Portal Gloveler den Schritt ins vorläufige Insolvenzverfahren. Den Machern war schlicht das Eigenkapital ausgegangen und die Suche nach Investoren gestaltete sich schwierig. Mit ganz anderen Problemen kämpfen Wimdu und vor allem 9flats. Nun versucht man durch eine Fusion die Wogen zu glätten und den Gerüchten Herr zu werden.

Gloveler meldet vorläufige Insolvenz an

Das Karlsruher Portal für Privatvermieter ist nicht irgendeine Plattform zur Privatzimmervermittlung, sondern ein bereits vor 7 Jahren gestartetes Unternehmen und damit ein Pionier in der Branche. Gloverler war bereits am Start, als Airbnb, Wimdu und 9flats noch nicht präsent waren. Immerhin rund 40.000 Schlafgelegenheiten in 80 Ländern können über die Plattform gebucht werden. Was führte Ende September zum vorläufigen Aus?

Die drei Gründer Marco Umfahrer, Andreas Sperber und Armin Harbrecht sahen sich bereits kurz nach der Positionierung ihres Start-ups der millionenschweren Konkurrenz von Airbnb & Co. gegenüber. Kein leichtes Unterfangen, sich am Markt durchzusetzen und zu behaupten. Letztlich wurde das Geld knapp und es fand sich zeitnah kein Investor, um den eingeschlagenen Weg fortzuführen. Größeres Stirnrunzeln verursacht jedoch die Aussage, dass es Uneinigkeiten im Kreis der Gesellschafter gäbe. Das ist meist kein gutes Zeichen, wenn Beteiligte nicht an einem Strang ziehen.

Vorläufig ist das Gloveler-Portal weiter nutzbar und Insolvenzverwalter Thorsten Konrad auf der Suche nach geeigneten Käufern oder Investoren. Was bedeutet diese Entwicklung nun für Vermieter, die auf Gloveler aktiv waren bzw. sind? In einem Blogartikel von Fabian Beckers sind die wichtigsten Dinge zusammengefasst. Die Ereignisse rund um Gloveler machen aber auch auf einen Fakt aufmerksam, der bislang wenig Beachtung bei Vermietern fand: Sich bei der Vermarktung des eigenen Ferienobjektes nur auf ein Portal zu verlassen, kann mit einem Schlag den Marketingerfolg in die Knie zwingen. Dazu kommt, dass die zum Termin der Insolvenzanmeldung noch ausstehenden Zahlungen des Portals an seine Kunden wohl in die Insolvenzmasse fallen und somit größtenteils für den Anspruchsinhaber passè sind.

Als wollte uns der Markt nachdrücklich auf diese Sicherheitsüberlegung hinweisen, mehrten sich diesbezügliche Gerüchte um den Konkurrenten 9flats.

9flats flüchtet nach Singapur

9flats – neuer Unternehmenssitz in Singapur

9flats – neuer Unternehmenssitz in Singapur

Bereits im April diesen Jahres hatte 9flats seine Marke samt Software und Plattform an eine neue Gesellschaft in Singapur verkauft. Als Hauptgrund gab Geschäftsführer Roman Bach in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an, so den Folgen des Berliner Zweckentfremdungsgesetzes entgehen zu wollen. Immerhin drohen bis zu 100.000 Euro Bußgeld für das Feilbieten von Wohnungen als Urlaubsunterkünfte, auch für Vermittler wie 9flats. Bei damals rund 2.500 inserierten Berliner Unterkünften können so mal schnell Bußgeldbescheide in Millionenhöhe ins Haus flattern.

Aber selbst diese Maßnahme konnte nicht verhindern, dass sich in der Folge finanzielle Sorgenfalten bei 9flats entwickelten. Was ist da dran?

9flats bei Vermietern in Zahlungsverzug

In den vergangenen Wochen häuften sich die Kommentare von Vermietern in Sozialen Netzwerken und auf Plattformen wie Trustpilot, in denen von schleppenden oder immer noch ausstehende Zahlungen seitens 9flats an die Gastgeber berichtet wird. Schnell machten Gerüchte die Runde, dass die Zahlungsfähigkeit des Portals nicht umfänglich gewährleistet sein könnte. Zumal auf dem zugehörigen Facebook-Account offenbar die Bewertungsmöglichkeit abgeschaltet und Besuchereinträge gelöscht wurden. Auch die deutsche Hotline für Gastgeber war nicht mehr erreichbar, wie in verschiedenen Artikeln berichtet wurde. Kein Wunder, dass auf Vermieterseite die Alarmglocken schrillen.

Wimdu und 9flats fusionieren (notgedrungen?)

Was bei den „ehemaligen Hamburgern“ von 9flats Schlagseite im Geschäftsmodell verursachte, ging auch beim deutschen Mitkonkurrenten Wimdu in Berlin nicht spurlos vorüber. Wimdu musste im August 60 seiner 250 Mitarbeiter entlassen und versuchte sich nach Kräften juristisch gegen den Berliner Präzedenzfall zu wehren. Nun tritt man wohl die Flucht nach vorn an und folgt 9flats nach Asien, denn der Sitz des fusionierten Unternehmens soll in Singapur sein.

Zusammen vermitteln Wimdu und 9flats nach eigenen Angaben 500.000 Unterkünfte. Man strebt einen Umsatz von 100 Millionen Euro an. Aber auch nach der Fusion käme man gerade einmal auf ein Viertel der angebotenen Unterkünfte des Marktführers Airbnb. Man darf gespannt sein, welchen Ausweg die Internet- und E-Commerce-erfahrenen Gründer von 9flats (Stephan Uhrenbacher … Qype) und Wimdu (Samwer-Brüder … Rocket Internet, Zalando, E-Darling, Westwing, Home24 u.a.) aus dieser derzeit ungemütlichen Gemengelage einschlagen werden. Zunächst dürfte jedoch ganz sicher die zügige Lösung des offensichtlichen Liquiditätsproblems ganz oben auf der Agenda stehen. Denn ohne zufriedene Gastgeber geriete die Anbieterseite wohl ernsthaft ins Wanken.

Titelfoto: Keynote Apple; Artikelfoto: RoB, wikimedia commons

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