Vom Facebook- und Twitter-Wahn beim Fewo-Marketing

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Es gibt kaum einen Vermieter einer Ferienwohnung oder Ferienhauses, der seine Marketing-Aktivitäten nicht auf den Bereich Social Media ausdehnt. Aber lohnt sich die Vermarktung der Ferienimmobilie über Facebook, Twitter & Co. wirklich? Erreicht man damit tatsächlich eine bessere Auslastung in der Fewo? Oder geht es hier um viel Aufwand für Nichts? Schauen wir den Tatsachen einmal ins Auge …

Zunächst sollte man sich klarmachen, wofür Facebook, Twitter und ihre Verwandten erfunden wurden. Weil Otto Normalverbraucher mit dem Konsum der zahlreichen Seifenopern und Castingshows im Fernsehen und der Zeitverschwendung mit elektronischen Spielereien a là Handy, Gameboy, Wii oder iPad noch nicht ausgelastet zu sein scheint, muss natürlich noch ein weiteres Ersatzleben her. Was passt da besser, als den instinktiven Voyeurismus aus dem TV (Big Brother, Dschungel-Camp) auf die elektronischen Medien zu übertragen? Also wurden Plattformen entwickelt, auf denen sich jeder Einzelne ungehindert selbst darstellen darf. Die stundenlangen, oft wertfreien Dauertelefonate zwischen Freunden wurden gleich mit verlagert … Die Geburtsstunde von Social Media.

Was als Plauderei über Alltäglichkeiten zwischen Menschen begann, ist mittlerweile zu einem gigantischen, zeitstehlenden System ausgeartet. Unternehmen jeglicher Art haben die Social-Media-Plattformen okkupiert und alle versuchen irgendwie, dort Kunden und/oder Einkünfte zu generieren. Da verwundert es natürlich nicht, dass auch Vermieter von Ferienimmobilien mit von der Partie sind. Doch was erhoffen sich diese vom Fewo-Marketing auf Facebook und Twitter?

In erster Linie wohl eine bessere Auslastung ihres Ferienobjektes. Schnell das Anmeldeprocedere hinter sich bringen, eine Beschreibung zusammenschustern und ein paar Bilder einstellen. Dann reicht die Kraft noch für einige Postings und die Suche nach den ersten Facebook-Freunden und Twitter-Followern. Und nun heißt es warten … auf den Ansturm der Buchungsanfragen.

Dieser bleibt natürlich aus und schon erlahmt die Begeisterung für Social Media-Marketing zusehends. Sind Euch schon einmal die vielen brachliegenden Accounts von Fewo-Vermietern aufgefallen? Zu Abertausenden bevölkern diese Facebook und Twitter. Hier ist die Vermarktung ins Koma gefallen und es ist zweifelhaft, ob sie je wiederbelebt wird.

Das Problem beginnt schon damit, dass die allererste Frage des zielgerichteten Marketings für das Ferienhaus nicht wirklich gelöst werden kann:

Wie finde ich potentielle Gäste für mein Ferienobjekt? Mit welcher Funktion auf den Plattformen Facebook und Twitter kann man gezielt nach diesen Interessenten suchen?

Genau, mit gar keiner! Arbeitslose, Bäcker, Tischler, Journalisten, Ingenieure … sie alle könnten in meiner Ferienwohnung Urlaub machen. Nur dummerweise verraten diese nicht, dass sie auf der Suche nach einer Fewo sind. Nicht einmal auf Facebook.

In Ermangelung besserer Alternativen begeben sich die Vermieter dann meist mit Hilfe von themenverwandten Suchtermen wie „ferienwohnung“, „ferienhaus“, „urlaub“ usw. auf die Pirsch nach geeigneten FB-Freunden und Twitter-Followern. Und wen finden Sie? Richtig, jede Menge anderer Vermieter, Ferienagenturen und Fewo-Portale, die nur eins im Sinn haben: das eigene Angebot an den Mann oder die Frau zu bringen.

Ja, wie klug ist das denn? Da vernetzen sich Hunderte Vermieter von Ferienimmobilien auf Facebook und anderen Social Media-Plattformen und baden alle im eigenen Saft. Das ist ungefähr so, als wenn morgens um 10 Uhr alle Mitarbeiter der Karstadt-Filiale erwartungsfroh ihre Verkaufstresen besetzen und bis 20 Uhr erscheint nicht ein einziger Kunde! Was machen die Karstadt-Verkäufer notgedrungen? Sie beginnen sich zaghaft untereinander auszutauschen: … Wie war Dein Kinobesuch gestern abend? Ach, die Schwiegermutter kommt am Wochenende zu Besuch? … Dann schon mutiger: … Du willst im Sommer ein Haus für Deine Familie bauen? Was hast Du dabei genau geplant? … Und weil immer noch kein Kunde in Sicht ist, wird jetzt die Helfermütze aufgesetzt:  … Ich hatte vorletztes Jahr gebaut. Fast alles selbst gemacht. Kann ich Dir helfen?

Und genau so sollten alle Vermieter eines Ferienhauses bzw. einer Ferienwohnung die Social Media-Plattformen auch begreifen. Man findet Gleichgesinnte, mit denen man sich austauschen und auch gegenseitig helfen kann. Nicht mehr und nicht weniger!

Also legt Eure obligatorischen Links von Facebook und Twitter zu Euren Fewo-Webseiten. (Nicht übertreiben, Google hat mindestens Abitur und versteht sehr wohl, warum hundert Links vom selben Account zur gleichen Webseite existieren!). Präsentiert Euch ansprechend auf den Plattformen und haltet gezielt nach passenden Mitstreitern Ausschau, wenn Ihr Hilfe benötigt.

Darüberhinaus erscheint es ratsam, sich auch einmal für die posts der anderen Mitglieder zu interessieren. Für wen Du Dich nicht interessierst, der interessiert sich auch nicht für Dich. Apropos Interesse – Achtet bitte unbedingt darauf, nicht ewig in der Social Media Welt zu verweilen. Die Gästegewinnung ist und bleibt eine Aufgabe in der realen Welt außerhalb von Social Media! Und um ein effektives Fewo-Marketing zur erfolgreichen Gästegewinnung geht es ja schließlich.

Ach ja, bevor ich es vergesse. Ist Euch schon einmal aufgefallen, wie subtil wir zur Nutzung von Facebook genötigt werden? Da wird beispielsweise suggeriert, dass die Höhe der gefällt mir-Klicks für die Fan-/Firmenseiten wichtig wäre. Ich will jetzt keine Diskussion über die tatsächliche Beachtung dieser Klicks durch Google & Co. anzetteln. Fakt ist jedenfalls, dass dieser ganze „Gefällt mir“-Blödsinn ein Zeiträuber ohne Ende ist. Wenn ich (wie es meine Art eigentlich ist) nun auch noch jeden FB-Freund mittels persönlicher Worte per Nachricht um einen Klick auf den Like-Button bitte, dann bliebe von meiner Freizeit nicht mehr allzu viel übrig. Da nutze ich maximal die automatische Einladungsfunktion der Fanseite für ein Like (so sie denn nicht wieder gerade von FB deaktiviert wurde). Sorry, aber mehr Zeit bin ich nicht bereit zu geben und akzeptiere im Gegenzug natürlich auch, wenn der Eingeladene dies als zu unpersönlich empfindet.

Fassen wir zusammen:

Vorteile 

  • die Social Media Plattformen eignen sich gut als öffentliche Visitenkarte des Ferienhauses
  • es können Links zur eigenen Fewo-Seite generiert werden (nofollow Links sind ebenfalls wichtig)
  • man erhält die Chance, auf andere Vermieter zu treffen, mit denen man sich austauschen kann

Nachteile

  • zur Gästegewinnung durch Fewo-Marketing eher ungeeignet
  • Facebook, Twitter und Co. sind arge Zeitdiebe

Letztlich werden Facebook und Twitter wie jede Modeerscheinung irgendwann den Gang in die Bedeutungslosigkeit antreten. Oder interessiert sich noch jemand für StudiVZ? Da wäre es sicher klug, seine erfolgversprechenden Marketingaktivitäten für das Ferienobjekt auf anderen, festen Standbeinen zu haben …

 

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Kommentare

  1. Silvia Schuhmann  Dezember 30, 2012

    Ja, da ist natürlich was dran. Aber hat wirklich jemand erwartet, dass eine Facebookseite ein gut funktionierendes Buchungsportal für Ferienwohnungen ersetzen kann? Und ob man die Social Mediae zu Zeiträubern werden lässt, liegt an jedem einzelnen Seitenbetreiber selbst.
    Nach meiner Erfahrung ist es durchaus ein zusätzliches Marketingmittel, das Transparenz und Vertrauen schaffen kann, mit dem man zwanglos auch mit ehemaligen oder potentiellen Gästen Kontakt halten kann. Nicht mehr und nicht weniger…

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  2. Tilo Boy  Dezember 30, 2012

    Beim Thema Kontaktpflege zu Stammgästen liegt es natürlich nahe, auch die Social Media Plattformen einzubeziehen. Sofern die praktischen Voraussetzungen gegeben sind. Da ich das Tagesgeschäft meiner Ferienwohnungen an Agenturen ausgelagert habe, habe ich natürlich keinen direkten Gastkontakt. Aber vielleicht findet sich hier jemand mit Erfahrung in diesem Bereich, der darüber berichten möchte. Persönlich würde ich immer noch die gute alte Postkarte zu Weihnachten/Neujahr (= Buchungsschwerpunkt für das kommende Jahr) an den Stammgast vorziehen.

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    • Anja P.  Februar 26, 2013

      Moin,
      ich weiß nicht, ob solch eine Postkartenaktion wirklich so viel bringt. Ferienunterkünfte, die mir gefallen haben, speichere ich mir ab. Sowohl im Kopf als auch auf dem Rechner (nicht nur in Form von Lesezeichen, sondern auch über Fotos z. B.).

      Die Postkarten des Besitzers einer wirklich sehr schönen und für uns topgelegenen Unterkunft auf Sylt habe ich (leider) immer ignoriert, weil ich danach woanders Urlaub machte. Wäre Sylt erneut mein Urlaubsziel, würde ich die Wohnung sofort wieder mieten – auch ohne Postkarte.

      Altersmäßig zwischen Young und Best Ager angesiedelt würde ich die Social Mediae bei der Suche nach einer Unterkunft nicht berücksichtigen, sondern die entsprechenden Reiseportale aufsuchen.

      Ansonsten: Auch wenn es thematisch hier nicht hingehört: Tolle HP! Umfangreiche Informationen und viele Anregungen – es bringt Spaß, hier rumzustöbern. Sehr gelungen, vielen Dank!

      Freundliche Grüße aus dem Norden 🙂

  3. Paul  Februar 19, 2013

    Hallo Tilo, sehr spannendes Blog mit vielen Wahrheiten.
    Beim Standpunkt Social Media Netzwerke à la Facebook
    seien keine „Real World“ liegen Sie leider falsch,
    und gleiten bei sonst klugen Gedanken in Stammtisch-
    Polemik ab. Sorry!

    antworten
    • Tilo Boy  Februar 26, 2013

      Hallo Paul,
      da Sie leider Ihre Web- bzw. email-Adresse nicht hinterlassen haben, konnte ich bislang nicht herausfinden, was genau Sie unter Stammtisch-Polemik in diesem Artikel verstehen.

      Sicher sind soziale Netzwerke aus monetärer Sicht ein nicht zu übersehender Faktor sowohl in der Wirtschaft als auch in unserer Freizeitgesellschaft. Trotzdem sind sie für mich nichts anderes als geschickt entwickeltes Blendwerk für das Volk. Ich vergleiche es gern ein wenig mit dem Colosseum in Rom, in dem zur finalen Periode des Römischen Reiches an fast 180 Tagen im Jahr irgendwelche Veranstaltungen stattfanden. Für die armen Bürger Roms gab’s stets Suppe und Cerveza umsonst. Die Römischen Senatoren wollten schließlich wiedergewählt werden, da mussten die Augen des Volkes nicht unbedingt auf zu lösende eigene und allgemeine Probleme gelenkt werden.

      Dies war schon immer ein probates Mittel. Nur sind die heutigen Methoden moderner und nennen sich DSDS, Dschungel-Camp oder eben Facebook. Natürlich kann man die Problematik auch unpolitisch betrachten. Dann würde ich die sozialen Netzwerke als genialen Schachzug innerhalb der allgegenwärtigen Matrix bezeichnen. Die Film-Trilogie „Matrix“ mit Keanu Reeves kann ich dazu wärmstens empfehlen … sie ist in meinen Augen ziemlich nahe an der Wahrheit.

  4. Mariechen  März 23, 2013

    Moin Moin,

    Ich finde, dass soziale Netzwerke schon einen Teil der Werbung im Internet ausmachen. Aber nur einen kleinen Teil. Eine suchmaschinenoptimierte HP ist schon das A und O für Google. Die Apps sind für Vermieter später weit wichtiger als Facebook & Co.

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  5. Michel Vervoort  Mai 7, 2013

    Hallöchen,

    unsere Erfahrungen mit Facebook sind da eher sehr positiv.
    Unsere Werbung auf Facebook hat eingeschlagen wie eine Marketingbombe.
    Als wir unsere neue, sehr aussergewöhnliche Wohnung fertig hatten, wussten wir nicht, wie dieses aussergewöhnliche Santorini Design überhaupt ankommt bei den Gästen. Für die ersten 1000 Fans haben wir erst mal ca. 500 Euro investiert für Werbung, die mehr Fans auf unsere FB Seite lockte.
    Und dann haben wir, wie es heute schon jeder macht, ein Gewinnspiel gestartet mit einem schönen Bild der ausgefallenen Wohnung. Und dann ging es ganz schnell. Innerhalb von 3 Tagen wurde das Gewinnspiel über 75.000 mal geteilt und mehr als 1.5 Mio Menschen hatten dieses Gewinnspiel gesehen, was zu einer Sturmflut von Buchungen führte. Wir mussten nach 3 Tagen das Gewinnspiel abbrechen, weil wir die Anfragen und Anrufe nicht mehr beantworten konnten. In den 3 Tagen hatten wir nicht nur die neue Wohnung, sondern auch die beiden anderen Wohnungen für die nächsten 7 Monate komplett vermietet. Seit diesem Tag haben wir keinen Euro mehr für anderes Marketing ausgegeben. Aber ich bin davon überzeugt, dass dieser Erfolg nur mit dem einzigartigen Design und der Ausstattung der Wohnungen zusammenhängt. Wenn mann im Gastgewerbe erfolgreich sein möchte, muss man wissen, was Menschen wirklich wollen …
    Sie wollen alles, nur nicht das Gewöhnliche und Alltägliche, sondern ein ausgefallenes Design mit einer Ausstattung, in der das Altagsleben für einige Zeit ausgeblendet werden kann. Mit unserem einzigartigen Design erreichen wir eine Vollbelegung und das in einem Dorf in der Eifel.
    Mfg M.Vervoort

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