Gebührenschraube überdreht? FeWo-direkt senkt Inseratspreise

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Da hatte das Portal FeWo-direkt seinen inserierenden Vermietern wohl zu viel zugemutet. Die Spitzenpreise für Inserate haben so manchen Eigentümern einer Ferienimmobilie Bauchschmerzen bereitet. Nun rudert das Portal zurück. Das läßt vermuten, dass unternehmensinterne Auswertungen diesen Schritt nahelegen. In einer eher unauffälligen Pressemitteilung vom 18.05.2016 verkündet FeWo-direkt auf seiner Webseite, ein vereinfachtes Inseratsmodell für Vermieter einführen zu wollen.

Den zahlreichen Erfahrungsberichten von Eigentümern in unseren Seminaren und vielen Emails an uns zufolge ist dieser Schritt höchst wünschenswert. Natürlich ist es in der Welt der Wirtschaft nichts Ungewöhnliches, wenn eine marktführende Stellung auch stets mit führenden Preisen einhergeht. Aber die aktuellen Inseratsmodelle von FeWo-direkt sind nicht nur außerordentlich vielschichtig und kostenintensiv, sondern erschweren einem Vermieter auch eine fundierte Kostenkalkulation. Schauen wir zunächst auf die bisherige Preispolitik:

Neue Konditionen bei FeWo-direkt

Festpreismodell: Ab dem 11.07.2016 begräbt das Portal sein fünfstufiges Preismodell für Jahresinserate und wechselt zu einem einheitlichen Festpreis von 299 Euro (+ MwSt.?) pro Objekt und Jahr. Die bisherigen Inserate nach dem alten Fünfstufenmodell laufen dabei regulär weiter und innerhalb der nächsten 12 Monate aus. Damit wird es für den Vermieter wieder erheblich übersichtlicher.

Provisionsmodell: Beim Inseratsmodell mit einer Verprovisionierung von Buchungen sinkt der Provisionssatz von 10% auf 8%. Für Vermietungsagenturen soll der Provisionssatz auf 5 Prozent reduziert werden.

Neben der Vermutung, dass der aus Sicht eines Vermieters einer Ferienwohnung oder eines Ferienhauses letztjährige Schluck aus der Gebührenpulle durch FeWo-direkt zu groß war, stellt sich natürlich auch die Frage, wie das Portal die dann geringeren Einnahmen kompensieren will. Die Antwort darauf findet sich ebenfalls in der o.g. Pressemeldung – es werden Gebühren für buchende Gäste eingeführt.

Service-Gebühren durch die Hintertür

Ab dem 28.06.2016 führt FeWo-direkt eine „Mit-Vertrauen-Buchen-Garantie“ für Urlauber ein, die über das Portal Online-Reservierungen und-buchungen vornehmen. Diese beinhaltet eine Zahlungsabsicherung bei z.B. betrügerischen Inhalten oder wesentlich falschen Darstellungen im Objektinserat. Diesen Service koppelt FeWo-direkt mit einer Gebühr, die durch den Reisenden zu zahlen ist und bei „… durchschnittlich sechs Prozent des Mietbetrages liegen wird …“ Genauere Angaben zur exakten Berechnung werden nicht gemacht.

Was der Vermieter nun weniger für sein Inserat bezahlen muss, wird somit dem Gast auferlegt. Man darf gespannt sein, wie Reisende darauf reagieren werden. Allerdings folgt FeWo-direkt damit lediglich den gängigen Verfahrensweisen bei Unterkunftsportalen wie Airbnb oder Wimdu, welche schon länger vom Mieter Gebühren verlangen.

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Gebühren für buchende Gäste – ein Zukunftsmodell?

Was auf den ersten Blick unangenehm für Reisende erscheint, entpuppt sich bei nährem Hinsehen womöglich als tragfähiges Gebührenmodell für alle Portalarten. Ganz gleich, ob Plattform mit Festpreis oder Provision, Fewo-Portal oder Zimmervermittlung. Zum einen erreicht man früher oder später das Ende der Fahnenstange, wenn es um vom Vermieter akzeptierte Inseratsgebühren geht. Dadurch richtet sich der Blick der Portale zwangsläufig auf die andere Seite der Beteiligten – die Gäste.

Zum anderen löst dieses Vorgehen vielleicht künftig ein Problem, was die Kooperation von Festpreis- und Provisionsplattformen betrifft. Die Erhöhung der Reichweite für gelistete Objekte durch die Integration/Verschmelzung von Objektbeständen mehrerer Portale untereinander schleppt schon seit längerem den Knackpunkt mit sich herum, dass ein Festpreisportal einem kooperierenden Partner ja keinen Provisionsanteil für die Gewinnung von Gästen abzutreten vermag – es nimmt schlicht keine Provision ein.

Wenn man nun vom Gast eine wie auch immer genannte Gebühr erhebt, dann hätte auch ein Festpreisportal einen Betrag zur Verfügung, mit dem es die Generierung von Buchungen über andere kooperierende Portale zu honorieren vermag. Außerdem könnte man so den Buchungsinteressenten Online-Buchungen ermöglichen ohne das Festpreismodell wegen höheren Kosten verändern zu müssen. Wir sind gespannt, wohin uns diese Entwicklungen führen werden.

Die Expedia-Integration von HomeAway/FeWo-direkt nimmt Gestalt an

Nach der Übernahme der FeWo-direkt-Mutter HomeAway durch Expedia liegt die Frage in der Luft, wie genau die verschiedenen Plattformen effektiv zueinander finden werden. Auch dazu enthält die Pressemeldung einen interessanten Hinweis (Zitat):

“ … Einige Vermieter, die auf FeWo-direkt inserieren, werden auch die Gelegenheit haben, mit ihrem Objekt Millionen Urlauber zu erreichen, da zur Zeit die Integration einer zusätzlichen Seite mit Ferienhausangeboten auf Expedia.com getestet wird. …“

Vielleicht ist die Einführung der Servicegebühr für Mieter auch im Hinblick auf diesen Integrationsprozess zu interpretieren.

Blogartikel zum Fewo-Marketing

Literatur rund um die Ferienimmobilie

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Kommentare

  1. Klaus Kochendörfer  Juni 10, 2016

    Bisher nahm fewo-direkt im Provisionsmodell 10% plus MwSt. Provision – nun also 8% + 6% (plus MwSt?). In jedem Fall ist das neue Provisionsmodell also ein gutes Geschäft, und die Gäste zahlen mit. Hat fewo-direkt bisher den Bogen bei den Vermietern überspannt, so werden sich nun die Gäste abwenden. Verbraucher sind nicht dumm … Ohne die beiden kann ein zukunftsträchtiges Portal aber nicht funktionieren.

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    • Klaus Will  Juli 27, 2016

      Es bleibt Vermietern,( denn wir stellen die Objekte zur Verfügung) die diese „Modelle“ nicht mittragen mögen, noch die Möglichkeit, auf örtliche Buchungsvermittler zurückzugreifen. Diese bieten wenigstens den Vorteil, dass sie a) vor Ort zur Betreuung der Gäste PERSÖNLICH zur Verfügung stehen, und b) Reinigungspersonal für die Fewo`s zur Verfügung stellen! Die Gebühren betragen meist 20% vom Mietpreis, die zahlt man aber wahrscheinlich gerne für das , was man dafür bekommt, und das bekommt man von Portalen nicht!

    • Markus T.  September 20, 2016

      Moin. Sind Sie Vermieter und nutzen Fewo-direkt? Mich würde interessieren, ob die Buchungen seit der Umstellung zurückgehen? Bei mir gehen sie eindeutig zurück und bekomme dafür vermehrt Buchungen über Traum-Ferienwohnungen rein…

  2. Markus T.  September 20, 2016

    Es wird nun von zwei Seiten abkassiert! Man ändert einfach einseitig die Geschäftsbedingungen ohne Übergangsfristen für bestehende Verträge… Man hat schließlich unter anderen Voraussetzungen hier ein Inserat geschaltet und unter Umständen auch viel Geld für Platin Gold oder sonstigen Status gezahlt! Ich meine juristisch schon sicherlich nicht sauber. Aber nicht, dass man nun Buchungsgebühren vom Mietern nimmt, es kann der Mieter nur noch mit Kreditkarte buchen. Selbst eine einfache Anfrage, um ein Angebot zu erhalten, funktioniert nicht mehr. Man versucht eben mit aller Macht das zu unterbinden. Zusätzlich zu den Jahresgebühren und den Buchungsgebühren nimmt man auch noch Kreditkartengebühren…
    Eigentlich war die Plattform vor der Umstellung ein wirkliches Erfolgsmodell. Ein fast perfektes System, für das man auch gerne bereit war zu zahlen. Ich glaube nun nicht, dass sich Fewo-direkt mit der aktuellen Entwicklung einen Gefallen getan hat. Aber wie es eben so ist … Das Unternehmen muss nun schnellstens den Kaufpreis, den Expedia gezahlt hat, wieder einspielen. Sobald aber die Buchungen ausbleiben und Vermieter auf andere Plattformen ausweichen, bricht das Kartenhaus zusammen. Es gibt zum Glück noch andere Portale oder besser noch Stammgäste die gerne wiederkommen und Fewo-direkt nicht brauchen.

    antworten
    • Tilo Boy  Oktober 21, 2016

      „… Es gibt zum Glück noch … Stammgäste die gerne wiederkommen …“

      Eine ausgezeichnete Idee, die Vermarktungskosten erheblich zu senken!

    • Monika.K.  Dezember 20, 2016

      Hallo, habe ein Ferien-Apartment in Portugal, Algarve. Seit Juni 2016 habe ich große Probleme mit FeWo. Bin z.Z auf Provisionsbasis umgeschwenkt, da ich mir nicht sicher bin, ob ich den Vertrag verlängern soll. Habe jetzt eine Anfrage von einem Mieter erhalten, aber die Buchung kam wegen mangelnder Kommunikation nicht zu Stande. Haben Sie eine Idee welches Portal noch empfehlenswert ist?
      mfg Monika.K.
      lobosul@gmx.de

    • Tilo Boy  Dezember 20, 2016

      Da sind Sie kein Einzelfall. Viele unserer Workshop-Teilnehmer berichten Ähnliches. Ich tue mich ein wenig schwer, Portale als brauchbar oder nicht zu klassifizieren. Was an der Ostsee funktioniert, muss noch lange nicht in Portugal klappen. Zum einen kommt es wesentlich auf die eigene Fewo-Präsentation auf dem Portal und vor allem deren Listenposition dort an und zum anderen hängt es auch davon ab, welche Zielgruppe man ansprechen möchte: Hundebesitzer, Surfer, Familien, ausländische Gäste usw.?
      Prinzipiell würde ich immer den Google Keyword Planer anwerfen und herausfinden, mit welchen Suchbegriffen nach Ferienhaus-Urlaub in meiner Region gefahndet wird. Dann kann man sich unter den meistfrequentierten Suchbegriffen ansehen, welche Portale in den Google-Suchergebnissen bei den jeweiligen Begriffen weit oben stehen und von den Suchenden mehrheitlich angesteuert werden.

  3. Maria  Oktober 6, 2016

    Ja, das Fewo-Portal-Modell an sich ist im Gegensatz zu Amazon wirtschaftlich betrachtet, wohl endlich entwickelbar. Irgendwann sind die vertretbaren Erlöshöhen durch Vermieter- und Gästegebühren erreicht. Weiteres Erlöswachstum ist dann nur noch durch Übernahmen/Merger oder durch die Implementierung völlig neuer Zusatzangebote möglich. Daher wohl auch die zahlreichen Zusammenschlüsse der letzten Jahre bei den Unterkunftsportalen.

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    • Tilo Boy  Oktober 21, 2016

      Ich warte noch darauf, dass alle nennenswerten Festpreisportale „weggeheiratet“ werden. Dann hätte man die Provisionsalternativen endlich ausgemerzt.

  4. Walter Kopschiwa  Februar 9, 2017

    Alle größeren Direktvermittlungsportale in Europa wurden von US-Konzern EXPEDIA aufgekauft!
    EXPEDIA hat bei der Direktvermittlung das absolute Monopol in Europa!
    Das nutzt man dort mit aller Dreistigkeit, Rücksichtslosigkeit und Unfreundlichkeit aus und agiert immer
    am Rande unserer Gesetze, meiner Meinung nach, auch darüber hinaus.
    Lesen Sie bitte auf folgenden Meinungsportalen die Kommentare:

    https://de.trustpilot.com/review/www.fewo-direkt.de ,
    http://www.testberichte.de/r/produkt-meinung/fewo-direkt-ferienunterkuenfte-47725-1.html
    und andere.

    Aus eigener Erfahrung: Fast alle Artikel sind voll zutreffend !!!
    Die wenigen positiven Kritiken die zu lesen sind, stammen aus vergangenen Zeiten.
    Jeder potenzielle Kunde, ob Mieter oder Vermieter, sollte das gelesen haben, bevor er sich mit EXPEDIA/FeWo-Direkt einläßt. Aktuelle FeWo-Kunden sollten darüber nachdenken, was gut für sie ist.
    Ich habe meinen Vertrag nicht verlängert!
    Es gibt wirklich gute kleinere Direktvermittlungsportale. Machen wir sie groß !!!
    WK

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