HomeAway ehelicht Expedia für 3,9 Milliarden Dollar Mitgift

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Da ist die Katze nun aus dem Sack. Das Online-Reisebüro Expedia will für läppische 3,9 Milliarden Dollar die Unterkunftsplattform HomeAway ehelichen, oder besser gesagt, sich einverleiben. Wenn die Kartellbehörden den Deal durchwinken, soll im ersten Quartal 2016 alles unter Dach und Fach gebracht sein. Was auf den ersten Blick als stinknormale Meldung einer Übernahme in den Wirtschaftsblättern erscheint, birgt durchaus Zündstoff für den Ferienimmobilienmarkt.

Schließlich ist HomeAway nicht nur ein fernes US-amerikanisches Unternehmen, sondern auch die Muttergesellschaft der deutschen Branchengröße FeWo-direkt. Grund genug, sich mit den Einzelheiten und möglichen Konsequenzen einmal näher zu befassen. Da haben sich also zwei gesucht und gefunden. Der Reiseriese Expedia aus Bellevue im westlichen US-Bundesstaat Washington, zu dem u.a. auch Trivago und hotels.com gehören, sowie HomeAway aus Austin, Texas, treiben den Konzentrationsprozess auf dem Reisemarkt weiter voran. Wohl auch, um der Erfolgsstory von Airbnb irgendwie Einhalt zu gebieten. Zunächst ein Blick zurück:

Die Entwicklung der Unterkunftsplattformen – ein Blick zurück

1997 war’s, als FeWo-direkt als einer der Pioniere der Vermittlung von Ferienunterkünften in Deutschland gegründet wurde und relativ rasch in die Erfolgsspur fand. Diese Aufbaumühe ersparten sich jedoch die beiden Ferienhausfans Brian Sharples und Carl Shepherd, als sie 2005 HomeAway gründeten. In typisch amerikanischer Manier wurden 41 Mio. Dollar Investorengelder eingesammelt und damit noch im gleichen Jahr u.a. die beiden Marktführer in Deutschland (FeWo-direkt) und Großbritannien (Holiday-Rentals) eingekauft. Auf dieser Basis wurde dann das weltgrößte Vermittlungsunternehmen für Ferienunterkünfte mit aktuell über 1 Million Feriendomizilen in mehr als 190 Ländern gestrickt. Seit einiger Zeit halten sich hartnäckig Gerüchte, dass man bei HomeAway/Fewo-direkt einen Aufschlag (je nach Quelle zwischen 3 bis 6%) auf den Mietpreis plant, der vom buchenden Gast zu zahlen ist. Man darf gespannt sein, in welcher Form die neue Expedia-Chefetage diese Planungen umsetzen wird.

Hochzeitsglocken für Expedia und HomeAway/Fewo-direkt

Expedia selbst ist ein 1995 gegründetes Spin-off von Microsoft, was den American Way of Business durchlief: 1999 Börsengang, ab 2002 Übernahme durch USA Networks (heute Inter Active Corporation), neuerlicher Börsengang 2005, und immer wieder Akquisitionen und Mehrheitsübernahmen wie TripAdvisor, Venere.com oder Trivago. In den letzten beiden Jahren begab sich Expedia dann auf große Shoppingtour: Investitionen in den US-Konkurrenten Travelocity, das australische Reiseportal Wotif oder in das gestandene südamerikanische Portal Decolar folgten in kurzen zeitlichen Abständen. Die Krönung war bislang jedoch die im September 2015 abgeschlossene Übernahme des US-Mitbewerbers Orbitz (u.a. Ebookers.com) für satte 1,6 Milliarden Dollar. Dieser Deal verursachte herbe Kritik in Übersee, da beide Unternehmen zusammen rund 75% des Marktes für traditionelle Hotelbuchungen abdecken. Und nun die Mega-Übernahme von HomeAway.

Bigger is better … really?

Es scheint sicher nicht aus der Luft gegriffen, wenn man die Expedia-Strategie mit der von Ebay oder Amazon vergleicht: Möglichst viele Marktanteile in kurzer Zeit vornehmlich durch Übernahmen zu gewinnen, um dann eine branchenführende Stellung für die Preissetzungsmacht zu erlangen. Hat man sich entsprechend etabliert, dann muss man nur darauf achten, dass man nicht in Form cleverer Ideen oder neuer Technologien von anderen aufstrebenden Unternehmen überholt wird. Am besten ist es, man kauft diese einfach auf. Microsoft läßt grüßen …

Dummerweise kann man mit einer derartigen Strategie nicht alle „Brandherde“ zuverlässig erspähen und ausmerzen. Vor allem dann nicht, wenn hinter einem anderen innovationen Unternehmen Investoren mit prall gefüllten Brieftaschen und guten Vernetzungen stehen. Und so kam es, dass eine kleine Firma namens Airbnb sich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten entwickelte. Die aktuellen Aktivitäten Expedias sollten wohl auch als Reaktion darauf verstanden werden. Als publizitätspflichtige Unternehmen mit Börsennotiz kann man recht einfach auf die Firmendaten zugreifen. Wer tut sich nun also zusammen?

Marken und Beteiligungen von Expedia und HomeAway

Expedia Marken und Beteiligungen
autoescape,
Car Rentals.com, Classic Vacations
Decolar
Expedia, eLong
Expedia CruiseShipCenters
hotels.com, hotwire
Orbitz
Travelocity, Tripadvisor, Trivago
Via Egencia, venere
Wotif Group

Homeaway Marken und Beteiligungen
USA: HomeAway.com, VRBO.com, VacationRentals.com, bedandbreakfast.com
Großbritannien: HomeAway UK, OwnersDirect
Deutschland: FeWo-direkt
Frankreich: Abritel, Homelidays
Spanien: HomeAway Spain, Toprural
Brazilien: Alugue Temporada
Australien: HomeAway Australia, Stayz
Neuseeland: Bookabach
Asien: Travelmob

Ein Marktkrake entsteht

Beim Blick in die Investor Presentations von Expedia und HomeAway fällt auf, dass man nun fast die gesamte Marktbreite ausfüllt: Hotels, Ferienhäuser & Ferienwohnungen, Gruppenreisen, Flüge, Mietwagen auf allen bewohnten Kontinenten. Was zur Abrundung noch fehlt, wäre der Zugriff auf den Markt der Privatzimmervermittlung. Es muss ja nicht Airbnb sein … 9flats, wimdu & Co. bieten sich ebenfalls für derartige Überlegungen an.

Grundsätzlich denken Venture Capitalgeber vor einem Investment auch stets darüber nach, wie und wann sich ein Exit aus der Beteiligung gestalten ließe. Nachdem beide Unternehmen über die Jahre immer wieder 2- und 3-stellige Millionensummen für das Wachstum einsammelten, ist es sicher nicht abwegig, dass sich die früheren Geldgeber in guten Marktphasen mit hohen Aktienkursen diese Investitionen durch Firmenübernahmen und -zusammenschlüsse vergolden lassen.

Man darf gespannt sein, wie sich die Übernahme durch Expedia auf die Geschäftspolitik bei HomeAway und natürlich auch auf FeWo-direkt auswirken wird. Da es keine öffentlich verfügbaren Geschäftszahlen von Fewo-direkt gibt, knöpfen wir uns die Bilanz der Muttergesellschaft HomeAway einmal vor und eröffnen konkrete Einblicke in das wirtschaftliche Innenleben eines Fewo-Portals …

Literatur rund um die Ferienimmobilie

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