Das Ferienwohnrecht: Timesharing bei Ferienimmobilien

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Es gibt wohl kaum ein Thema rund um die Ferienimmobilie, welches die Gemüter derart erhitzt, wie das Timesharing oder auch Ferienwohnrecht. Dafür sind zahlreiche schwarze Schafe der Branche verantwortlich, welche die eigentlich gute Idee in dubiose Geschäftspraktiken verpackten. Versuchen wir zu sortieren …

Die Idee, sich gegen Zahlung das Ferienwohnrecht (auch Time-Sharing, Teilzeitwohnrecht) für eine wiederkehrende Nutzungsdauer eines Ferienhauses oder einer Ferienwohnung zu sichern, ist in einigen Ländern ein weit verbreitetes Modell. Dabei erwirbt man das Recht, ein Ferienobjekt jedes Jahr für einen bestimmten Zeitraum zu bewohnen. Ein Miteigentum an der Ferienimmobilie ist damit aber nicht verbunden – dies wäre Fractional Ownership. Timesharing ist auch nicht zu verwechseln mit dem Ferienhaustausch, bei dem sich Vermieter untereinander kostenlos ihre Ferienimmobilie für einen Urlaub zur Verfügung stellen.

Die wohl meisten Anhänger des Time-Sharings gibt es in den USA. Sie liegt wohl daran, dass die großen Hotelketten wie Hilton, Marriott, Four Seasons, Hyatt oder auch Disney dieses Segment recht erfolgreich beackern. In Deutschland hingegen ist man zumeist mit den weniger erfreulichen Seiten dieser Idee konfrontiert. Drückerkolonnen überrumpeln oft ahnungslose Urlauber mit teilweise unsauberen Methoden. Ich erinnere mich noch gut an einen Urlaub Mitte der neunziger Jahre, als ich mit meiner Frau Gran Canaria besuchte – und dieses Treiben unmittelbar miterlebte.

Wir wohnten damals in der Nähe von Playa del Inglès und fuhren jeden Tag mit einem Shuttle-Bus in Richtung Maspalomas-Strand. Bevor man diesen jedoch geniessen durfte, musste man sich einen Weg durch Horden von lästigen Timesharing-Verkäufern bahnen. Das war fürchterlich. Eines nachmittags mussten wir eine gefühlte Ewigkeit auf den Shuttle-Bus warten und sahen den Bemühungen der Schlepper interessiert zu:

Eine beliebte Masche war das Gewinnspiel. Den Touristen wurde beispielsweise ein Los angeboten, welches natürlich gewonnen hatte. Man musste nur ins bereitstehende Taxi steigen und den Gewinn in der Ferienanlage X einlösen. War der Urlauber erst einmal dort angekommen, kümmerten sich mehr oder weniger gewiefte Verkäufer darum, dass letztlich ein Timesharing-Vertrag unterschrieben wurde. Instinktiv erfassten die Schlepper vor dem Strandbereich die Lage, wenn die Gewinnspielmasche nicht zog. Dann verlegten sie sich darauf, dem potentiellen Opfer die Hälfte ihrer Schlepper-Provision in bar anzubieten, wenn sie ins Taxi steigen würden. Auch das funktionierte recht passabel …

Mittlerweile sind in den vergangenen Jahren einige neue Richtlinien beim Timesharing vom Gesetzgeber verabschiedet worden, um diesen Praktiken einen Riegel vorzuschieben. Umfangreiche Informationen hierzu finden sich auf den Seiten der Verbraucherzentrale NRW und des Finanztip.

Grundsätzlich ist gegen die Idee des Ferienwohnrechts nichts einzuwenden, mehrere Haken machen die Angelegenheit jedoch pikant. Einerseits bewegen sich die Erwerbskosten für das Nutzungsrecht oft auf einem Niveau, was einem normal gebuchten (Pauschal-)Urlaub gleichkommt oder dies gar übertrifft. Zum anderen fehlt dem Teilzeiterwerber jegliche Kontrolle über die laufenden Kosten und die Nebenkosten des Nutzungsrechts (Verwaltung, Instandhaltung). Und dann versuchen Sie doch einmal, dieses Ferienwohnrecht wieder zu verkaufen. Das ist in der Praxis oft unmöglich.

Trotzdem gibt es auch seriöse Anbieter im Timesharing-Bereich. Dazu zählen z.B. seit vielen Jahren die HAPIMAG (57 Anlagen) und RCI (3800 Anlagen). Als Mitglied haben Sie den Vorteil, dass Sie nicht jedes Jahr in der gleichen (eigenen) Ferienimmobilie urlauben müssen, sondern eine erkleckliche Auswahl an Objekten zum Nutzungstausch zur Verfügung steht. Man muss dazu natürlich wissen, dass die Mitgliedschaft etwas kostet und es zu Hochsaisonzeiten schon mal eng mit frei verfügbaren Plätzen werden kann.

 

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