Streitatlas 2017 – Ferienregionen weniger streitlustig als Metropolen

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Bei Immobilienkauf und Ferienvermietung läuft nicht immer alles reibungslos. Das eine oder andere Problem wird auch schon mal per Rechtsstreit ausgefochten. Sei es zum Thema Kaufvertrag, zur Finanzierung oder rund um das Mietrecht bei einem Ferienobjekt. Nun hat Advocard, der Rechtsschutzversicherer der Generali, vor kurzem auf Basis eigener Fälle eine Statistik zum Wo, Wer und Worüber in Deutschland streitet, veröffentlicht – den Streitatlas 2017.

Interaktiver Streitatlas

Wie es manchmal so ist. Läßt man sich beim Surfen im Internet von Links auf angesteuerten Webseiten treiben, dann landet man oft weit weg vom Ausgangspunkt der Recherche. In diesem Fall stieß ich in einem Artikel der Schwäbischen Zeitung auf die Aussagen eines Herrn Tobias Glaenz, Anwalt für Mietrecht in Tuttlingen, zum Thema Streitfallentwicklung. Das machte mich neugierig auf den dort erwähnten Streitatlas 2017.

In dieser Studie hat der Rechtsschutzversicherer Advocard 1,7 Millionen Streitfälle ausgewertet und die Streitkultur in Deutschland analysiert. Herausgekommen ist dabei ein interaktiver Atlas, in dem die Streitfälle detailliert für eine Region recherchiert werden können. Dabei wurden die Rechtsfälle in die 5 Kategorien Privat, Verkehr & Mobilität, Arbeit, Wohnen & Mieten sowie Behörden und Verwaltung einsortiert und nach Streitintensität pro Einwohner, Geschlecht, Alter, Streitwert und Streitdauer aufbereitet. Schauen wir uns doch einmal an, wie streitlustig man allgemein und insbesondere in den touristischen Hochburgen ist.

Hohe Bevölkerungsdichte = hohe Streitbereitschaft

Quelle: obs/Advocard Rechtsschutzversicherung AG
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Wie schon in der ersten Ausgabe des Streitatlas im Jahr 2013 scheint Großstadtstress die Streitlust zu beflügeln. Mit Berlin, Leipzig und gleich 7 Großstädten in Nordrhein-Westfalen erweisen sich deutsche Metropolen mit über 30 Streitfällen pro 100 Einwohner als fruchtbarer Nährboden für juristische Auseinandersetzungen.

Ganz im Gegensatz dazu bewegt sich die Streitlust an Nord- und Ostsee meist im durchschnittlichen Rahmen. Im ostfriesischen Emden, im Bayerischen Wald, im Berchtesgadener Land oder im Allgäu sogar weit unter Durchschnitt. Ferienregionen beruhigen also die Gemüter, oder? … 😉
Dann spielen juristische Auseinandersetzungen rund um Ferienimmobilien und deren Vermietung eine untergeordnete Rolle? Leider läßt sich aus dem Datenmaterial nicht herausfiltern, in wieweit Besitzer von Ferienimmobilien am Gesamtvolumen beteiligt sind. Aber immerhin kann man in den von Advocard kommentierten Ergebnistabellen zum Streitatlas 2017 häufige Streitursachen mit Immobilienbezug nachlesen und eigene Schlussfolgerungen ziehen.

Privatstreit: Urlaubs- und Reisemangel & Co.

In der Kategorie „Private Streitursachen“ belegen Scheidung/Trennung und Erbangelegenheiten mit rund 31 bzw. 25 Prozent die beiden Spitzenplätze. Nummer 3 mit fast 16 Prozent Anteil sind Urlaubs- und Reisemängel. Hoppla, wie passt das denn zu den oben erwähnten unterdurchschnittlichen Streitfällen in touristischen Hot Spots? Vor allem, wenn man weiß, dass der Gerichtsstand für Streitigkeiten zwischen einem privaten Fewo-Vermieter und Gästen immer der Standort des Feriendomizils ist?

Eine einleuchtende Antwort darauf wäre, das Privatvermieter gar nicht so häufig betroffen sind. Sondern eher die vermittelten Ferien in Hotels, Resorts u.ä. mit einem Pauschalangebot von Übernachtung, Verpflegung und ggf. weiteren Leistungen. Diese fallen nämlich unter das sehr gästefreundliche Pauschalreiserecht.

Die Plätze 4 und 5 belegen die Streitursachen Darlehenswiderruf und Kreditbearbeitungsgebühr, was nicht nur, aber zumindest teilweise auch Ferienimmobilisten betrifft.

Streitursachen Wohnen und Miete

Allein die Tatsache, dass für das Thema Wohnen und Miete eine eigene Analysekategorie geschaffen wurde, drückt wohl deren Häufigkeit  aus. Natürlich dürfte es beim Löwenanteil der Streitigkeiten einen Bezug zu „normalen“ Mietverhältnissen geben. Aber auch bei Eigentümern von Ferienimmobilien landen vier der TOP 6-Streitursachen desöfteren beim Kadi: Betriebskosten (ca. 32%), Nachbarschaftsstreit (29%), Mietmängel (11,5%) und Mietkaution (7,7%).

In rund 90 Prozent der Fälle in allen Streitatlas-Kategorien geht es um Streitwerte bis maximal 10.000 Euro. Übrigens, den größten Anteil an Streitfällen hat mit über 28 Prozent die Altersgruppe der 46- bis 55-jährigen. Das ist genau jene Altersgruppe, welche auch die größte Gruppe unter den Käufern von Ferienimmobilien stellt.

Titel- und Beitragsfoto sowie pdf-Ergebnistabelle: Advocard Versicherungs AG

Rechtliches für Ferienvermieter

Literatur rund um die Ferienimmobilie

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