Die Ferienvermietung klemmt – Alternative Studentenwohnung?

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Vermieter von Wohnungen und Häusern, die nicht in beliebten und daher gut frequentierten Ferienregionen gelegen sind, benötigen ein intensives Marketing zur Erzielung einer anständigen Vermietungsquote. Schließlich geht es neben der Gewinnung von Feriengästen für das eigene Domizil vor allem darum, eine Begeisterung für den Standort selbst zu erzeugen. Sollte sich dies jedoch als dauerhaft schwierig erweisen, dann kann unter Abwägung des regionalen Potentials auch mal über Belegungsalternativen nachgedacht werden. Ich hatte bereits in früheren Artikeln auf verschiedene Möglichkeiten aufmerksam gemacht, wie z.B. Sightseeing-Tourismus, die Vermietung an Messegäste oder auch an Monteure & Berufspendler.

Eine weitere Option für die zu vermietende Immobilie könnte die Nutzung als Studentenwohnung sein. Das funktioniert nicht nur in den großen Metropolen mit Universitäten wie Berlin, Hamburg oder München. Auch kleinere Standorte mit Fachhochschulen kommen in Frage. Ebenso touristische Regionen, die einer ausgeprägten Saisonalität unterliegen und nur zu bestimmten Zeiten im Jahr nennenswert von Urlaubsgästen besucht werden, wie beispielsweise Uni-Standorte in Wassernähe wie Greifswald, Lübeck, Kiel oder Konstanz am Bodensee. Ich will die Alternative „Studentenwohnung statt Ferienvermietung“ mal am Beispiel der Rhein-Neckar-Region mit den Standorten Heidelberg und Mannheim untersuchen.

In dieser Region gibt es nicht nur zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie den Dom zu Speyer, das Kloster Lorsch und einen römischen Limes (alle  UNESCO Weltkulturerbe) oder traditionsreiche Ferienstrassen wie die Burgenstrasse, die Nibelungenstrasse oder die badische Spargelstrasse … nein, hier befindet sich auch die älteste Universität in Deutschland. Die im Jahr 1386 gegründete Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ist eine der renommiertesten Universitäten und taucht regelmäßig auf TOP-Plätzen in internationalen Rankings auf. Neben den Heidelberger Fakultäten gehört auch die medizinische Fakultät Mannheim zur Universität. Mit derzeit über 31.000 Studenten tut sich hier ein großes Vermietungspotential auf. Studentischer Wohnraum ist knapp, was den Immobilienmaklern der Region wie z.B. Huther-Immobilien.de oder auch bundesweit tätigen Projektentwicklern für Studentenwohnungen rege Nachfrage beschert.

Focus Money hatte sich in den letzten Jahren bereits mehrfach dem Thema gewidmet und ausführlich über Investitionen in studentische Wohnungen berichtet. Renditen von bis zu 5% wurden in Aussicht gestellt. Im aktuellen Heft der Publikation Finanztest 07/2014 wird zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass sich durch die Preisentwicklung der Immobilien in den letzten Jahren im Heidelberger Raum das Verhältnis Nettokaltmiete zu Kaufpreis eher bescheiden entwickelt hat. Die Tester berichten von Kaufpreisen von 4.500 bis 5.000 Euro pro Quadratmeter in Heidelberg.

Bauprojekt student@home Heidelberg

Heidelberger Projekt student@home

Wer bereits eine Ferienwohnung in dieser Region sein Eigen nennt, muss sich um die Kaufpreisentwicklung natürlich weniger scheren. Im Gegenteil, die Aussichten auf einen späteren attraktiven Verkaufspreis steigen. Sollte eine Neuausrichtung auf studentische Mieter für diese Besitzer einer Ferienwohnung in Frage kommen, so kann man direkt auf das vorhandene Vermietungspotential zugreifen. Im o.g. Finanztest-Heft ist in der Spitze von 16 bis 20 Euro pro Quadratmeter erzielbarer Miete bei Neubauimmobilien die Rede. Und das bei rund 20 qm Wohnraum inkl. Bad und Küchenecke. Bei Bestandsimmobilien mit weniger zeitgemäßem Chic sollte man natürlich entsprechend weniger kalkulieren. Jedoch sind monatliche Mieteinnahmen jenseits der 300 Euro-Marke durchaus keine Seltenheit.

Ganz wichtig für Überlegungen, seine Ferienimmobilie in studentischen Wohnraum umzufunktionieren, sind die wesentlichen Bedürfnisse dieser Zielgruppe:

–  möglichst kurze Wege zur Universität und ihren Fakultäten, auch im Hinblick auf Nahverkehrsmittel

–  mietergerechte Ausstattung mit TV und Internet. Vor allem letzteres ist unabdingbar.

– die Einrichtung sollte den täglichen Bedürfnissen entsprechen (Schlafplatz, Arbeitsplatz, Essbereich, Bad, kleiner Küchenbereich)

Je nach Fläche und Zuschnitt der vorhandenen Wohnung wäre auch ein Umbau für entsprechende Funktionalität eine Option. Das kann bei größeren Wohnungen eine Aufteilung in mehrere kleinere Einheiten sein oder auch die Nutzung als WG für mehrere Mieter. Beachten sollte man, dass man in diesem Fall sich wieder dem deutschen Mietrecht und seinen Bestimmungen unterordnet.

Vorteilhaft ist die Tatsache, dass Studenten ja irgendwann wieder ausziehen und der Vermieter sowohl Renovierung als auch ggf. eine Mietanpassung problemlos durchführen kann. Das aufwendige Vermietungsmarketing für wechselnde Gäste entfällt, was die Kosten im Regelfall deutlich senken dürfte. Außerdem bietet sich die Überlegung an, ob vielleicht eine Kooperation mit dem Studentenwerk der Universität zielführend ist. Dann sollte der erfolgreichen Neuausrichtung der Ferienwohnung nichts mehr im Wege stehen …

 

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Fotos: Ribax (Titelfoto), wikimedia commons; neubaudirekt.de

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