Goldgräberstimmung auf Kuba – Kaufrausch bei Ferienimmobilien?

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Von Zeit zu Zeit werfen wir auch mal einen Blick über den Tellerand deutscher Ferienimmobilien hinaus. So wurden in früheren Blogartikeln z.B. die Märkte in der Türkei, Florida, auf Ibiza & Mallorca, in österreichischen Städten und in der Dominikanischen Republik in Augenschein genommen. Heute knöpfen wir uns einmal Kuba vor. Wie jetzt – Kuba? … werden sicher einige sagen. Da gibt’s doch nur Sonne, Sozialismus und Oldtimer auf den Straßen? Das ist richtig – und doch tut sich in letzter Zeit einiges, was vor Jahren noch undenkbar war.

Tourismus auf Kuba

Wer hätte das gedacht? Barack Obamas „Yes, we can!“ gilt seit Ende 2014 auch für die Beziehungen zwischen den USA und Kuba. Um dies zu unterstreichen, setzte Obama als erster US-Präsident seit fast 90 Jahren wieder einen Fuß auf die Karibikinsel. Damit kam neuer Schwung in die Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Staaten, wozu auch Erleichterungen für Reisen der rund 1,2 Millionen in den USA lebenden Exilkubaner zählen. Die Folge: Ein Touristenansturm, dem Kubas marode Infrastruktur kaum gewachsen ist. Selbst deutsche Urlauber kamen 15% mehr als im Vorjahr, wie Anbieter von Kuba Reisen wie Aventoura oder Miller Reisen berichten.

Video-Impressionen aus der Karibik:  Kuba Reise-Anbieter wie Aventoura haben derzeit alle Hände voll zu tun.

Dornröschenschlaf bei Immobilien beendet?

Wenn man sich etwas intensiver mit dem Immobilienmarkt auf Kuba beschäftigt, kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Bis 2011 war es Kubanern untersagt, mit Immobilien zu handeln, sie zu kaufen oder verkaufen. Berufsbild Immobilienmakler? – Fehlanzeige! Lediglich der Tausch war unter bestimmten Bedingungen erlaubt, nicht selten verbunden dem Befüllen hohler Behördenhände. Und Eigentumseintrag? – Wer z.B. nach Castros Sieg über Batista 1959 aus Kuba flüchtete und eine Immobilie zurückließ, der findet diese jetzt in staatlicher Obhut. Man darf gespannt sein, wie sich im Laufe der vorsichtigen Öffnung Kubas derartige Besitzansprüche lösen werden.

Wieso sollen überhaupt Kubas Immobilien interessant sein? Dort ist doch alles verfallen, für dringend erforderliche Reparaturen und Investitionen fehlt Geld an allen Ecken und Enden? Es ist wohl schlicht der Blick auf den bereits 90jährigen Patriarchen Fidel Castro und die Hoffnung, dass in nicht allzu ferner Zukunft sich allerlei ändern könnte. Und wie immer in solchen Fällen, zieht eine derartige Gemengelage Spekulanten magisch an. Die Berliner Morgenpost und Die Welt berichteten kürzlich bereits darüber.

Seit 2011 ist es nun Inlandskubanern erlaubt, Immobilien zu erwerben und auf ihren Namen registrieren zu lassen. Das gilt nicht für Ausländer und auch nicht für Exilkubaner. Da Not bekanntlich erfinderisch macht, läßt sich die Schattenwirtschaft Kubas nicht lumpen und findet diverse Schlupflöcher. So nutzen Florida-Exilkubaner gern die familiären Bande daheim, um doch an eine Immobilie zu gelangen. Ausländische Interessenten profitieren gern von einer kubanischen Ehehälfte und wenn alle Stränge reißen, dann sucht man eben vertrauenswürdige Strohmänner gegen Bares auf der Insel. Verständlich bei durchschnittlichen Hauspreisen von 22.000 Euro in Havanna. Wahre Schnäppchen für Auslandskubaner. Wenn das nicht Goldgräberstimmung ist …

Auch der Ferienimmobilienmarkt in Aufbruchstimmung

Es verwundert dann nicht, dass Startups und Dienstleistungsunternehmen rund um die Immobilie wie Pilze aus dem Boden schießen. Nun gibt es Maklerbüros für Immobilien wie Havana-Houses, Casas Cubanas oder Zafiro sowie Immobilienportale wie Poreltecho und Islasi. Und in Erwartung großer Umwälzungen steigen die Immobilienpreise vorab schon mal kräftig.

Aber wie ist es eigentlich um die Ferienvermietung von Immobilien auf Kuba bestellt? Wenn man als Ausländer ohne die o.g. Tricks keine Immobilie erwerben kann, dann etabliert sich doch auch kein Vermietungsmarkt? Wer sich auf Unterkunftsportalen wie Wimdu oder Airbnb umschaut, wird schnell eines Besseren belehrt. Mehrere Hundert Ferienobjekte stehen für Kuba-Interessierte zur Auswahl. Und beileibe keine haarsträubenden Feriendomizile ohne fließend Wasser oder Telefon. Da scheinen nicht nur die Gelder von Exilkubanern gut angelegt worden zu sein. Auch deutschsprachige Gastgeber finden sich. Und selbst Inlandskubaner mischen kräftig mit. Letzteres ist vollkommen logisch, denn die Preise pro Übernachtung sind aus unserer Sicht zwar lächerlich gering, übersteigen aber bereits den gesamten durchschnittlichen Monatslohn eines Kubaners von rund 20 Euro.

Titelfoto: Gildemax; Artikelbild: Susanne Bollinger; beide wikimedia commons

Ferienimmobilien im Ausland

Literatur rund um die Ferienimmobilie

Marketing in der Ferienvermietung

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