Immobilien in der Türkei kaufen

Geschrieben von:

In keinem anderen Land war ich so oft zu Gast wie in der Türkei. Mehr als ein Dutzend Mal verbrachte meine Familie ihren Urlaub in den verschiedensten Regionen dieses wunderbaren Landes. Uns gefällt das Klima, die abwechslungsreiche Natur und vor allem die tolerante Art zu leben. Rund 4,8 Millionen Deutsche empfanden 2011 ähnlich und bereisten die Türkei. Da liegt es nahe, doch auch mal einen Blick auf die Immobilien in der Türkei zu werfen.

Zuvor jedoch ein paar Fakten: Die Türkei hat derzeit rund 75 Millionen Einwohner und kann als eines der wenigen europäischen Staaten auf einen stetigen Bevölkerungszuwachs verweisen. Zudem ist die Bevölkerung sehr jung, der Altersdurchschnitt beträgt etwas über 27 Jahre.

Das Land ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, aber deutlich dünner besiedelt. Langfristig gesehen ist dies natürlich vorteilhaft für die Preisentwicklung von Immobilien in der Türkei (ein stetes Bevölkerungswachstum bedeutet hinreichend Nachfragepotential), wobei dies nur einen Blickwinkel darstellt. Vor allem der Markt von Ferienimmobilien hängt wesentlich von der Kauflust der Ausländer ab. Da gab es zuletzt interessante Entwicklungen, auf die ich später noch eingehen werde …

Das Klima ist vor allem in den typischen Ferienregionen über das gesamte Jahr angenehm warm, trotzdem können Sie u.a.  nahe der Urlauberhochburg Antalya auch Ski fahren im Taurusgebirge. Fauna und Flora sind abwechslungsreich und die gelassene Mentalität der Türken ist mit der anderer Länder rund um das Mittelmeer vergleichbar. Ein mir immer wieder begegnendes Vorurteil sind deutsche Vorbehalte hinsichtlich der Religion – und das völlig unbegründet. 99% der Türken sind Muslime, aber ich kenne kein islamisches Land, welches so offen und ungezwungen mit der Religion umgeht. Vor allem in den Großstädten und Ferienregionen spürt man dies deutlich. Wer will, kann sich verhüllen oder in die Moschee gehen, wenn der Muezzin zum Gebet ruft – aber niemand ist gezwungen. Ich hatte beispielsweise in Istanbul das Gefühl, dass es dort mehr blonde als dunkelhaarige Frauen gibt … und auch sonst ist vieles europäisiert. Bringt man den türkischen Traditionen Respekt entgegen, dann wird dieser auch erwidert.

Was den Erwerb und Besitz einer Immobilie in der Türkei angeht, gibt es einige Besonderheiten. Im Gegensatz zu Deutschland sind Notare in die Abwicklung einer Eigentumsübertragung nicht involviert. Nach türkischem Recht erfolgt die Eigentumsübertragung auf eine entsprechende Willenserklärung von Käufer und Verkäufer lediglich im Grundbuchamt. Dabei muss ein vereidigter Übersetzer zur Verfügung stehen, wenn beteiligte Ausländer der türkischen Sprache nicht mächtig sind. Die Eintragung im Grundbuch (= Tapu) erfolgt jedoch erst, wenn das örtliche Amt die Zustimmung der zentralen Militärstelle in Izmir erhalten hat. Dabei geht es um die Bestätigung, dass das Objekt nicht im militärischen Einzugsbereich liegt. Neuerdings versorgt die Militärbehörde die Tapu-Ämter mit aktuellen Daten für eine eigenständige Prüfung, so dass der Umweg über Izmir zukünftig entfallen dürfte.

Immobilienbesitz in der Türkei

Was für viele Ausländer den Kauf von Türkei Immobilien attraktiv macht, sind die niedrigeren Preise im Vergleich zu vielen anderen Mittelmeerregionen. Für den Preis eines ganzen Hauses mit Grundstück und Pool bekämen Sie auf Mallorca oft nicht einmal eine Ferienwohnung. Die Grunderwerbsteuer beträgt z.Z. 4,8% des Tapu-Einheitswertes, der in der Regel der Hälfte des Kaufpreises entspricht (bei dem im Grundbuch eingetragenen Kaufpreis ist eine Unterverbriefung nicht unüblich). Dazu kommen eine Abgabe zur Unterstützung des staatlichen Bildungssystems und eine Erdbebensteuer von wenigen Euro. Der vereidigte Dolmetscher kostet ca. 50 € plus einige Verwaltungs- und Bearbeitungskosten für die Eintragung. Für die jährliche Grundsteuer sind 150 € (Wohnung) bzw. 300 € (Haus) zu kalkulieren. Es ist zu berücksichtigen, dass in der Türkei vom Staat häufig gesetzliche Änderungen im Immobiliensektor vorgenommen werden, was natürlich auch die genannten Preise beeinflusst.

Ein Segen sind die geringeren Lebenshaltungskosten, wenn auch nicht verschwiegen werden sollte, dass vor allem Energie- und Mobilitätskosten zuletzt ordentlich gestiegen sind. Was Eigentümer in der Türkei durchschnittlich an Strom-, Wasser-, Telefon- und Müllgebühren im Jahr zahlen, wäre in Deutschland wohl spätestens nach einem halben Jahr verbraucht. Was Lebensmittel anbelangt, sollte man diese natürlich nicht in den touristischen hot spots einkaufen. Dann klappt’s auch hier mit günstigen Preisen. Das hat seit Jahren schon eine der größten Gruppen unter den Eigentümern von Immobilien in der Türkei erkannt und genutzt – die Rentner. Mit einer durchschnittlichen westeuropäischen Rente lässt es sich in der Türkei zumeist auskömmlich leben.

Ferienort Sarigerme an der türkischen Ägäis

Es sprechen also zahlreiche Gründe dafür, eine Immobilie in der Türkei zu kaufen. Einzig die Tatsache, dass auf dem Gebiet der Türkei die drei tektonischen Erdplatten Eurasiens, Anatoliens und Arabiens aufeinandertreffen, schmälert die Begeisterung für dieses Land etwas. Genau wie in Griechenland sind auch in der Türkei Erdbeben immer möglich.

Schaut man sich die Struktur unter den ausländischen Käufern an, so führen Briten und Deutsche die Rangliste an, gefolgt von – man höre und staune – den Griechen. Letztere sind vornehmlich in der Region Izmir aktiv, die Briten entscheiden sich gern für die ägäische Küste und die Deutschen lieben die Türkische Riviera. Vor allem in der Hochburg Alanya leben rund 10.000 Deutsche. Vielleicht liegt hier sogar etwas deutsche Bedachtsamkeit zu Grunde – Alanya zählt zu den türkischen Regionen mit dem geringsten Erdbebenrisiko.

Bisher konnten in der Türkei Immobilien nach dem Gegenseitigkeitsprinzip erworben werden. Für jedes Land, indem türkische Staatsbürger Immobilien kaufen konnten, galt dies auch umgekehrt. Große Hoffnungen setzt die Immobilienbranche auf ein neues Gesetz, welches den Weg frei macht für Bürger von 87 Staaten, die bislang nicht oder nur sehr eingeschränkt Immobilien erwerben konnten. Dazu gehören beispielsweise Russland und die arabischen Golfstaaten. Vermutlich wird dies neue Käufergruppen anlocken und die Immobilienpreise entsprechend beeinflussen.

 

Weitere Artikel zum Thema:

4
  Verwandte Artikel

Kommentare

  1. Tilo Boy  Januar 27, 2013

    So, nun liegen erste Zahlen für den Immobilienmarkt in der Türkei für 2012 vor. Die Deutschen führen die Käuferliste unangefochten an, vor Österreichern, Russen und Engländern …

    antworten
  2. Tilo Boy  November 30, 2016

    Das Jahr 2016 lief nicht wirklich gut für den Türkei-Tourismus und damit auch für die Vermieter von Ferienimmobilien in der Türkei. Bleibt zu hoffen, dass die politischen Ränkespiele nicht auch noch das kommende Tourismusjahr verhageln …

    antworten
  3. Tilo Boy  Februar 5, 2017

    Langsam bahnen sich die Tourismuseinbrüche auch ihren Weg in das Immobilienpreisgefüge, wie aktuell das Immobilien-Magazin berichtet.

    antworten
  4. Tilo Boy  März 25, 2017

    Die wirtschaftlichen Folgen von Erdogans Kurs schmecken diesem selbst nicht. Das türkische Parlament beschloss daher kürzlich Erstaunliches, wie in diesem Artikel zu lesen ist.

    Zitat: „… Da die Immobilienbranche mit einbrechenden Preisen, Auftragsmangel und Leerstand zu kämpfen hat, versucht man nun vermehrt, Ausländer als Hauskäufer zu gewinnen. Vergangene Woche verabschiedete das Parlament ein Gesetz, nach dem Ausländer keine Steuern zahlen müssen, wenn sie Immobilien kaufen und diese mit türkischen Lira bezahlen. Wer Immobilien im Wert von einer Million Lira oder mehr kauft (rund 260.000 Euro) soll außerdem eine Aufenthaltsgenehmigung für mindestens drei Jahre erhalten …“

    Ob das wirklich hilft?

    antworten

Schreibe einen Kommentar