Studie zum Ferienhausmarkt in Deutschland 2015

Geschrieben von:

Erstmals wurden in einer Studie des Deutschen Ferienhausverbandes e.V. in Zusammenarbeit mit FeWo-direkt und dwif-Consulting Zahlen zum Volumen des privaten Anteils an der Ferienhausvermietung in Deutschland veröffentlicht. Bislang bezogen sich Tourismusstudien fast ausnahmslos auf das Zahlenwerk gewerblicher Unterkünfte ab 10 Betten.

Das liegt daran, dass diese Betriebe meldepflichtig sind, der private Vermieter einer Ferienwohnung oder eines Ferienhauses aber nicht. Um Daten der privaten Ferienvermietung zu erheben, ist ein hoher Aufwand nötig.

Datengrundlagen der Studie

Im Fall der genannten Studie wurden 120.000 Datensätze erhoben mit Hilfe der Gastgeberverzeichnisse der Gemeinden und Tourismusorganisationen sowie einigen Buchungsplattformen wie bestfewo.de, traum-ferienwohnungen.de, e-domizil und FeWo-direkt. Dabei wurden von insgesamt 8.426 Orten in Deutschland immerhin 1.059 stichprobenartig in die Studie einbezogen und anschließend hochgerechnet. Die Ergebnisse sind sehr aufschlussreich.

Anzahl der Betten und Übernachtungen in Deutschland

Betten

gewerblich insgesamt 3564 Tsd.
privater Ferienhausmarkt 682 Tsd.
gewerblicher Ferienhausmarkt 321 Tsd.

Übernachtungen

gewerblich insgesamt 424,1 Mio.
privater Ferienhausmarkt 71,4 Mio.
gewerblicher Ferienhausmarkt 31,8 Mio.

Zunächst einmal fällt auf, dass es höchste Zeit wurde, sich den bisher unbekannten Zahlen aus privater Ferienvermietung einmal anzunähern. In vielen Kalkulationen wurde standardmäßig erklärt, dass man den gewerblichen Anteil aus dem Datenmaterial der Statistikämter um einen gleichhohen Anteil für die Privatvermietung näherungsweise ergänzen soll, um einen Überblick über das gesamte Tourismusaufkommen zu erhalten. Das ist schlichtweg falsch. Wie aus den beiden obigen Grafiken ersichtlich, übersteigt die Anzahl der Betten und Übernachtungen in privater Vermietungshand den gewerblichen Bereich um mehr als das Doppelte. Damit ist der Marktanteil der vielen Eigentümer von Ferienwohnungen und Ferienhäusern erheblich höher als bislang vermutet.

Private Ferienvermietung erfreut den Fiskus

Insgesamt stellen diese rund 14,4% aller Übernachtungen in Deutschland im Vergleich zu 6,4% im gewerblichen Bereich. Das bedeutet, dass jede fünfte Übernachtung in einem Ferienobjekt erfolgt. Das spült dem Fiskus pro Jahr rund 730 Mio. Euro in die Kassen. Alle Achtung liebe Vermieter!
Es gibt allerdings große Unterschiede hierbei. In den Bundesländern mit einem Küstenbereich (Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen) liegt allein der Anteil der Privatvermieter bei über 20%. In vielen Großstädten hingegen nicht einmal bei 10%. Nennenswerte Ausnahme ist Berlin mit einem ausgeprägten Ferienhausmarkt.

Betten im privaten Ferienhausmarkt nach Bundesländern

Bayern 136.000 Betten
Niedersachsen 102.100 Betten
Schleswig-Holstein 93.800 Betten
Mecklenburg-Vorpommern 78.900 Betten
Baden-Württemberg 74.500 Betten
Nordrhein-Westfalen 43.800 Betten
Rheinland-Pfalz 41.300 Betten
Berlin 24.600 Betten
Sachsen 21.700 Betten
Brandenburg 17.900 Betten
Hessen 17.200 Betten
Thüringen 12.700 Betten
Sachsen-Anhalt 10.600 Betten
Saarland 4.400 Betten
Hamburg 1.300 Betten
Bremen 1.000 Betten

Klarer Sieg für Berge & Meer. Die drei Küstenbundesländer sowie die Alpenanrainer Bayern und Baden-Württemberg stellen zusammen mehr als 70% des Gesamtvolumens an Betten im privaten Ferienhausmarkt. Ein Fünftel aller Übernachtungen im privaten Ferienhausmarkt erfolgt in Bayern, gefolgt von Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern.

Die durchschnittliche Auslastung liegt im bundesdeutschen Durchschnitt bei 28,7%, wobei Hamburg und Berlin mit 40% den Flächenländern weit voraus sind. Gerade für Vermieter in Hamburg tut sich hier eine interessante Perspektive auf. Trotz des deutschlandweit geringsten Anteils der privaten Ferienvermietung an der Gesamtzahl aller Übernachtungen von gerade einmal 1,6% wird hier eine erstaunlich gute Belegungsquote erreicht. Das spricht für eine hohe Attraktivität der Hansestadt bei vergleichsweise wenig Wettbewerb im privaten Sektor. Allerdings sollten Vermietungsabsichten mit dem Hamburger Wohnraumschutzgesetz harmonieren, um hier Fallstricke zu vermeiden.

–>  Zur kompletten Studie

0
  Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar