Tipps zur Strom- und Gas-Versorgung in der Ferienwohnung

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Vielen Vermietern dürfte in den vergangenen Jahren aufgefallen sein, dass die Nebenkosten der Ferienimmobilie kontinuierlich steigen. Dies trifft querbeet u.a. auf Versicherungen, Hausgeld, Steuern, Verwalterkosten sowie Strom und Gas zu. Das knabbert natürlich an der Netto-Mietrendite des Ferienobjektes. Dem kann man über höhere Auslastungszahlen entgegentreten oder aber man macht sich einige Gedanken über Einsparmöglichkeiten. Am besten beides. Ich greife beispielhaft den Energiebereich heraus und möchte nachfolgend einige Anregungen hinsichtlich der Strom- und Gasversorgung in der Ferienwohnung aufführen.

Grundsätzliches bei Einrichtung & Ausstattung des Feriendomizils

Der Trend „mehr …besser …teurer“ ist bei vielen Bauträgerprojekten gerade in Top-Standorten unübersehbar. Ohne Stilmöbel, Fussbodenheizung, Infrarotsauna, Wellnessbad, Video-Türsprechanlage, WLAN-Internet, Waschmaschine & Trockner geht fast nichts. Das treibt einerseits die Kaufpreise für Ferienimmobilien nach oben und sorgt andererseits in der Folge für höhere Verbrauchs- und Reparaturkosten. Im Grunde genommen ist dabei eine wirtschaftliche Betrachtung dringend angebracht. Schaffe ich es, diese höheren Investitions- und Folgekosten über eine höhere Belegungsquote zu amortisieren oder nicht? Das dauert im Regelfall viele Jahre. In Standorten mit eher spärlichem Touristenstrom in der Nebensaison habe ich durchaus Zweifel, ob sich das insgesamt rechnet.

Je höher die Zahl der Strom nutzenden Geräte und Einrichtungsgegenstände ist, um so mehr macht es auch Sinn, über Einsparmöglichkeiten nachzudenken. Intelligente Thermostat- und Zeitschalt-Lösungen können beispielsweise hilfreich sein. Die vieldiskutierten Energiesparlampen mit ihrem Quecksilberinhalt finde ich persönlich eher bedenklich. Gerade was den Umgang und die Reinigung im „Kaputt-Fall“ angeht. Ein in der Öffentlichkeit stets präsentes Thema sind Strom- und Gasvergleiche unter den Anbietern.

Augen auf bei den Vergleichsportalen für Strom und Gas

Zunächst einmal ist zu bedenken, dass sich die zahlreichen Vergleichsportale über Provisionen aus den vermittelten Strom- und Gasverträgen der Anbieter finanzieren. Niemand schreibt dabei den Portalen wie Check24, Transparo oder Beste Stromvergleich exakt vor, auf welchen Prinzipien die erstellten Vergleichslisten beruhen. Nicht selten sind dabei die Voreinstellungen so, dass Neukunden-Bonus, Vorkasse oder Paketpreise mit berücksichtigt sind. Das muss aber nicht den Absichten des wechselwilligen Strom- und Gaskunden entsprechen.

So ist vor allem die Vorkasse-Variante mit Vorsicht zu geniessen. Der Kunde bezahlt dabei seinen Verbrauch für z.B. ein ganzes Jahr im Voraus. Man kann dabei durchaus in die sprichwörtliche Röhre gucken, falls der Anbieter während der Vertragslaufzeit insolvent wird. Die Unternehmen Teldafax und Flexstrom seien als Fallbeispiele dafür genannt.

Ähnliches gilt auch für den Neukunden-Bonus. Hier wird dem Kunden unter bestimmten, nicht immer durchsichtigen Bedingungen eine Einmalprämie in Aussicht gestellt, die man nach wenigstens einem Jahr Vertragslaufzeit erhält. ZDF-WISO monierte nicht zu Unrecht, dass auch schon mal ein abweichendes unterjähriges Kündigungsdatum bestätigt wird mit der Folge, dass der Bonusanspruch erlischt.

Bei den Paketpreisen ist es so, dass man vorher eine bestimmte Menge Strom oder Gas zu einem Festpreis erwirbt. Liegt der Verbrauch später darüber, so muss (teuer) nachgezahlt werden. Liegt man darunter, bekommt man aber nichts zurück. Klingt nicht sonderlich attraktiv.

Weitere Verfahrensweisen der Anbieter bestehen oft in einer (meist recht deutlichen) Preiserhöhung nach Ablauf der Preisbindung in der Vertragslaufzeit oder in dem Verlangen nach höheren Abschlägen … unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch. Letzteres ist übrigens nicht statthaft. Haarsträubend kann es allerdings werden, wenn keine genauen Ablesedaten der Zählerstände vorliegen. Eigentlich geht man als Kunde ja davon aus, dass der Netzbetreiber den Zählerstand abliest. Die Strom- und Gas-Discounter sind dazu interessanterweise nicht verpflichtet, wie ich selbst feststellen musste. Da mich auch niemand um eine eigene Ablesung der Zähler in meiner damaligen Ferienwohnung im Seebad Heringsdorf bat, gab der Versorger E.ON Edis Vollgas. Ich staunte nicht schlecht, als man mir Abschläge in Rechnung stellen wollte, die eher dem Verbrauch einer Großbäckerei entsprachen. Man habe den künftigen Verbrauch eben geschätzt, wurde mir lapidar auf Nachfrage mitgeteilt. Haben Sie also besser auch hier ein Auge drauf.

Alles in allem sind Vergleichsportale eine gute Möglichkeit der Marktrecherche. Achten Sie jedoch unbedingt darauf, die Filterfunktionen zu prüfen und Ihren Vorstellungen anzupassen. Dann lassen sich auch günstige und faire Tarife finden. Aber erwarten Sie nicht das Blaue vom Himmel. Jährliche Einsparungen von 1.000 Euro und mehr ohne die o.g. Tricks sind eher unrealistisch.

Noch ein Hinweis für Vermieter innerhalb einer Eigentümergemeinschaft. Hier gilt es, beim Strom- und Gas-Verbrauch zwei Versorgungsbereiche zu berücksichtigen. Zum einen ist dies der Verbrauch, welcher der eigenen Ferienwohnung per separatem Strom- und Gaszähler zugeordnet ist. Hier sind Sie frei in Ihrer Wahl des Anbieters. Zum anderen ist es der Bereich des gemeinschaftlichen Verbrauches, wie z.B. Außenbeleuchtung des Gebäudes, Beleuchtung für Flure, Keller, Gemeinschaftsräume, Wasch- und Trockenraum der Gemeinschaft, Server des Hauses etc., der Ihnen anteilig über die WEG-Jahresabrechnung zugeschlagen wird. Der Wechsel des Strom- und Gas-Lieferanten im gemeinschaftlichen Bereich bedarf der Beschlussfassung der Eigentümerversammlung.

 

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Titelfoto: Hans Lindqvist, wikimedia commons

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